Subject-Orientation and Critique on Power

Subjektorientierung und Machtkritik

In the discourse of history didactics, the view has been predominantly taken in recent years that historical learning – in addition to historical content – must take greater account of learners with their individual experiences and knowledge when designing history lessons. This subject orientation would increase the effectiveness of history teaching.

 

The Decline of the Canon

In German history didactics, the word “subject-orientation” has prevailed regarding this assumption. The term means that the learners’ ideas, previous experiences, feelings, interests, social imprints, etc., should be evaluated empirically and, as securely as possible, as genuine points of contact for historical learning processes. The lessons are to be designed on the basis of this diagnosis. This is at least the position of history didactics. However, teachi…


Categories: 7 (2019) 29
DOI: dx.doi.org/10.1515/phw-2019-14614

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  1. To all our non-German speaking readers we recommend the automatic DeepL-Translator for 8 European languages. Just copy and paste.

    Sachlichkeit als Vernunftgebot

    Es kränkt mich, mit meinen Überlegungen zur Geschichtskultur, insbesondere zum Themenbereich der historischen Identität, als wissenschaftlichen Flankenschutz der AFD diffamiert zu werden. Eine solche Art der Qualifikation ist dazu angetan, die allgemeine Vergiftung öffentlicher Diskurse über Politik und Gesellschaft ein erhebliches Stück weiter zu treiben und im Diskurs der Geschichtsdidaktik Fuß fassen zu lassen. Wer auch nur eine oberflächliche Kenntnis meiner Vorstellung zur Geschichtskultur, Identität und Leitkultur hat, sollte wissen, dass ich etwas völlig anderes im Sinn habe als die AfD. Dass Nation zu einem Schlüsselbegriff rechter Populisten geworden ist, kann ohne die Tatsache nicht verständlich gemacht werden, dass dieses Thema trotz seiner enormen Bedeutung für die moderne Gesellschaft und seiner unbestreitbaren Wichtigkeit für die Geschichtskultur der Gegenwart,[1] von der Geschichtsdidaktik nicht intensiv kritisch aufgegriffen, sondern mit der Selbstpositionierung als post-national den rechten populistischen Bewegungen überlassen wurde.

    Dabei bildet sich im Rahmen der europäischen Einigung neben dem Rekurs auf traditionalistischen Nationalismus ein ganz anderes und neues Konzept nationaler Zugehörigkeit aus. Es bedürfte intensiver geschichtsdidaktischer Analyse (etwa im Anschluss an die konkreten Arbeiten des Georg-Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung). Beispielhaft für diese geschichtskulturelle Innovation stehen das deutsch-französische Verhältnis oder einschlägige Diskurse in Skandinavien. Statt diesen Veränderungen nachzuspüren, wird mein Versuch mit Mitteln einer simplen politischen Diffamierung zurückgeschlagen. Wenn es schon nichts zu diskutieren gibt, dann reichen Schläge unter die akademische Gürtellinie sachlicher Argumentation aus, um Hinweise auf Realitätsverweigerungen und Diskurslücken abzulehnen.

    Zur Sache möchte ich darauf aufmerksam machen, dass es seit den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine einschlägige und recht kontroverse Diskussion über den Begriff “Schülerinteresse” gibt. Schon hier wurden subjektive Schülerinteressen gegen objektive Machtinteressen gesellschaftlicher Institutionen ausgespielt. Sollte es nicht angesichts der in dieser Diskussion sich bekämpfenden politischen Gegensätze und ihrer fundamentalen Unverträglichkeit nicht besser darum gehen, den Geschichtsunterricht auf die gültigen Verfassungsprinzipien der Legitimität von Macht hin zu organisieren und die Schülerinnen und Schüler als potentielle Bürgerinnen und Bürger einer modernen Demokratie anzusprechen? Angesichts der aktuellen Auflösung eines tragfähigen Gemeinsinns der politischen Kultur bedarf diese Grundlage dringend einer Verstärkung durch die historische und politische Bildung.

    Fußnoten

    [1] Stefan Berger, The Past as History. National Identity and Historical Consciousness in Modern Europe (London: Palgrave Macmillan 2015); Stefan Berger und Chris Lorenz, Nationalizing the Past. Historians as Nation Builders in Modern Europe (London: Palgrave Macmillan 2010).
    [2] Annette Kuhn, “Schüler- und Schülerinneninteresse,” in Handbuch der Geschichtsdidaktik, ed. Klaus Bergmann, Klaus Fröhlich, Anette Kuhn, Jörn Rüsen und Gerhard Schneider (Seelze-Velber: Kallmeyer, 1997), 357 – 361.
    [3] Siehe dazu: Jörn Rüsen, “Gesellschaftsvertrag – Historische Skizze einer Idee mit einem Ausblick auf die Gegenwart,” in Gespaltenes Land. Brauchen wir einen neuen Gesellschaftsvertrag? ed. Holk Freytag (Dresden: Sandstein, 2018), 26-42.

  2. To all our non-German speaking readers we recommend the automatic DeepL-Translator for 8 European languages. Just copy and paste.

    Komplexität als Notwendigkeit

    Wir geraten nun in den Austausch über einen anderen als den von mir verfassten Text. Auf diesen habe ich zugegebenermaßen überspitzt verwiesen, so dass ich Ihren Widerspruch nachvollziehen kann. Gerne möchte ich daher einige Gedanken weiter ausführen.

    Bez. der Anmerkung, dass ich Ihre “Überlegungen zur Geschichtskultur, insbesondere zum Themenbereich der historischen Identität” außer Acht lassen würde, möchte ich betonen, dass ich mich nicht auf Ihr Gesamtwerk beziehe, sondern auf Ihren Beitrag zur deutschen Kultur, den Sie 2017 als Reaktion auf eine Kolumne der damaligen Integrationsbeauftragten des Bundes A. Özoğuz verfassten.[1] Sicher, es handelt sich um einen Meinungsbeitrag, er kommt ohne weitere Verweise aus. Jedoch werden die vertretenen Positionen im Duktus der wissenschaftlichen Autorität vorgetragen. Das Format garantiert eine Reichweite, die wissenschaftliche Publikationen oft nicht haben. Komplexe Fragen, die kontrovers verhandelt werden, werden bei Ihnen indes verkürzt dargestellt. Ich möchte die Inhalte der Repliken auf Ihren Beitrag nicht wiederholen, sie sind nachzulesen. Nur ausschnitthaft: Die Kritik an der vermeintlichen “Evidenz einer spezifisch deutschen Kultur” wurde umfassend etwa von A. Körber vorgebracht, der argumentiert, dass der Begriff “Kulturen” (im Plural) analytisch durchaus hilfreich ist, um gesellschaftliche Gemeinsamkeiten zu erfassen. Normativ wirkt er jedoch exkludierend, v.a. dann, wenn unter Verweis auf eine “nationale” Kultur “bestimmtes Verhalten und Denken” gefordert wird.[2]

    Kritisierbar sind für mich zudem die im Beitrag verwendeten rhetorischen Mittel, die einer nüchternen Analyse nicht unbedingt Vorschub leisten. So wird Özoğuz’ nur verkürzt wiedergegeben. Den Satz, dass es eine “spezifisch deutsche Kultur […] jenseits der Sprache” nicht gäbe, ergänzt sie nämlich: “Schon historisch haben eher regionale Kulturen, haben Einwanderung und Vielfalt unsere Geschichte geprägt. Globalisierung und Pluralisierung von Lebenswelten führen zu einer weiteren Vervielfältigung von Vielfalt.”[3]
    Ebenso kritisch erscheint mir die Gegenüberstellung vermeintlich homogener Gruppen. Sie sprechen von der “Integration des Holocaust in das historische Selbstbild der Deutschen” als eine “Leistung”, welche die “türkisch-stämmigen Einwanderer” mit “ihrem Völkermord an den Armeniern nicht schaffen”. Wer sind denn DIE Deutschen und DIE türkisch-stämmigen Einwanderer, warum existieren sie in diesem Text nur als Kollektiv? Auch darauf wurde schon kritisch eingegangen.[4]

    Ihrer Kritik, ich würde “Schläge unter die akademische Gürtellinie sachlicher Argumentation” austeilen möchte ich entgegnen, dass ich aus Ihrem Text vor allem eine nicht ausgewogene normative Forderung nach einer national definierten Identität herauslese. Ich denke daher nicht, dass meine Reaktion darauf ein Befördern der “Vergiftung öffentlicher Diskurse über Politik und Gesellschaft“ ist. Sie ist eine öffentliche Reaktion auf einen öffentlichen Beitrag, der vor allem geschichtspolitisch argumentiert. Ja, Schule und Geschichtsunterricht sind politisch gewollte Institutionen der Geschichtskultur (im Sinne ihrer politischen und wissenschaftlichen Dimensionen) und somit Teil der praktisch wirksamen Artikulation von Geschichtsbewusstsein in der Gesellschaft. Aber: Welche Artikulationen von welchen Gruppen können im Machtgefüge praktisch wirksam werden?
    Ich stimme überein, dass “Nation” von der Geschichtsdidaktik kritisch aufgegriffen werden muss. Es gibt nationale Identitäten in der Selbstverortung von Individuen und Staaten. Bedenklich wird es, wenn (von wem auch immer) bestimmt wird, wie diese Identitäten auszusehen hätten. Ein solches Verständnis wäre auch ein Rückschritt zum aktuellen wissenschaftlichen Diskurs, in dem selbst-kritische Praktiken in nationalen Geschichtsschreibungen ebenso immer größeren Raum einnehmen wie die zahlreichen “forms of writing both sub- and transnational forms of history”[5] Dies bedeutet eben auch, dass die Aushandlungsprozesse über “Nation” und “nationale Identität” offengelegt werden. Gleiches gilt für den Diskurs darüber, was unter “Kulturleistungen” verstanden werden kann.

    Das Gelingen von Integration sollte an Kriterien wie die Akzeptanz von Verfassungsprinzipien und der Zustimmung zu demokratischen Werten und nicht an ein Bekenntnis zu (geschichts)kulturellen Inhalten, die über machtvolle Positionen als “gemeinsam sinnhaft (kulturell)” verbindlich gesetzt werden, gekoppelt werden. Fraglich ist nicht die Sinnhaftigkeit einer solchen Kohärenz an sich, sondern die Frage, unter welchen Bedingungen sie erreicht wird.
    Oft prägen einfache Antworten auf komplexe Fragen öffentliche Diskurse auch in Fragen des historischen Selbstverständnisses von Gesellschaft. Es sind andere Strategie nötig, um der Pluralität der Sichtweisen gerecht zu werden. Beiträge zu dieser Debatte sollten m.E. wesentlich differenzierter unter Einbezug kontroverser Perspektiven auch den eigenen Anspruch auf Deutungsmacht kritisch hinterfragen und diese kritische Selbstverortung offenlegen.

    [1] Jörn Rüsen, Deutsche Kultur–gähnende Leere oder wirksame Orientierung?, https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/deutsche_kultur_gaehnende_leere_oder_wirksame_orientierung?nav_id=7256 (20.11.2019)
    [2] Andreas Körber, Zur Debatte um “Deutsche Kultur”, https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/andreas_koerber_zur_debatte_um_deutsche_kultur?nav_id=7269 (20.11.2019)
    [3] Aydan Özoğuz, “Gesellschaftsvertrag statt Leitkultur”, Tagesspiegel vom 14. Mai 2017, https://causa.tagesspiegel.de/gesellschaft/wie-nuetzlich-ist-eine-leitkultur-debatte/leitkultur-verkommt-zum-klischee-des-deutschseins.html (20.11.2019)
    [4] Nina Reusch, Zur Debatte um “Deutsche Kultur“, https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/nina_reusch_zur_debatte_um_deutsche_kultur?nav_id=7274 (20.11.2019).
    [5] Stefan Berger, The Past as History. National Identity and Historical Consciousness in Modern Europe (London 2015), 357.

  3. To all our non-German speaking readers we recommend the automatic DeepL-Translator for 8 European languages. Just copy and paste.

    Ich stimme zu, dass es nützlich wäre, “differenzierter” unter Einbezug kontroverser Perspektiven auch den eigenen Anspruch auf Deutungsmacht kritisch zu hinterfragen und diese kritische Selbstverortung offenzulegen. Nur: Wie soll das in der Form kurzer Beiträge in Public History Weekly erfolgen? Meine “Selbstverortung” liegt in meinen Publikationen vor.
    Was die angesprochenen Fragen betrifft, so fordere ich einen common sense der politischen Kultur unseres Landes als Bedingung der Möglichkeit einer funktionierenden Demokratie ein. Diesen common sense würde die kulturelle Grundüberzeugung derjenigen ausmachen, die bewusst Bürgerinnen und Bürger unseres Staates sind oder sein wollen. Es wäre nützlich, hier Vorschläge zu unterbreiten, statt gegen eine missliebige Position zu polemisieren.

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