Historians and Politics. Quarrel Over a Current Resolution

Historiker*innen und Politik. Streit um eine aktuelle VHD-Resolution

With contributions by
Wolfgang U. Eckart, Wenzel Seibold, Andreas Körber, Andreas Frings, Thomas Stamm-Kuhlmann, Ralf Behrwald, Jörn Rüsen, Markus Krzoska, Peter Schöttler

Zur vielumstrittenen VHD-Resolution. Der altehrwürdige Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) richtet gemeinsam mit dem Verband der Geschichtslehrer Deutschlands (VGD) alle zwei Jahre den Historikertag aus. Es handelt sich um einen der größten geisteswissenschaftlichen Kongresse Europas, dem traditionell die Aufmerksamkeit bundesdeutscher Spitzenpolitiker*innen zuteilwird. Der kürzlich an der Universität Münster zu Ende gegangene 52. Historikertag stand unter dem Oberthema “Gespaltene Gesellschaften”.[1]

 

Geschichtswissenschaft in der Demokratie

Beträchtliche Aufmerksamkeit erregte eine von der Mitgliederversammlung des VHD mit großer Mehrheit verabschiedete Resolution “zu gegenwärtigen Gefährdungen der Demokratie”.[2] In dieser von den Göttinger Historiker*innen Petra Terhoeven und Dirk Schumann initiierten Erklärung warnt der Verband vor “maßlose[n] Angriffe[n] auf die demokratischen InstitutionenR…


Categories: 6 (2018) 31
DOI: dx.doi.org/10.1515/phw-2018-12675

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14 replies »

  1. To all our non-German speaking readers we recommend the automatic DeepL-Translator. Just copy and paste.

    Tua res agitur! Oder: Vom anschwellenden Bocksgesang des Neokonservatismus

    Eigentlich ist der Stellungnahme von Frank Bösch und Johannes Paulmann (“Es geht um unsere Sache”, FAZ, 17.10.18) zu den kritischen Kommentierungen der VHD-Resolution ihrer Mitgliederversammlung, die auch in Münster mit der des Verbandes der GeschichtslehrerInnen Deutschlands zusammenfiel, nichts hinzuzufügen; vielleicht aber doch, denn in den letzten Wochen konkretisiert sich, dass einzelne AfD-Mitglieder oder ganze Landesverbände Internetplattformen eröffnen, auf denen “besorgte” Schüler Lehrer an den Pranger stellen sollen, die im Unterricht die AfD kritisieren. Dass es vor allem GeschichtslehrerInnen sein werden, die auf solche Schmählisten gelangen, liegt auf der Hand. Genau dieser Umstand verdeutlicht vehement, dass es ganz zweifellos nicht nur dann auch “um unsere Sache geht, wenn des Nachbarn Wand brennt” (Horaz, Epist. I, 18), sondern vor allem, wenn schon im eigenen Haus gezündelt wird.

    Patrick Bahners (“Die Lehrer Deutschlands”, FAZ, 29.09.18) bewertet die Resolution des VHD als “linksliberalen Common Sense”, ja, er kanzelt die Stoßrichtung der Resolution, die sich für eine “sensible Sprache” stark macht, gegen “diskriminierende Begriffe” und für “parlamentarische Demokratie” und “pluralistische Streitkultur” plädiert, gegen “Nationalismus” und “politischen Missbrauch von Geschichte” antritt, als “Paternalismus” und “intolerable Beschimpfung des politischen Gegners” ab. Wenn dann in der gleichen “Zeitung für Deutschland” wenige Tage später der Parteivorsitzende einer national-populistischen und in Teilen zweifellos NS-revisionistischen Partei auftreten und seine antiintellektuellen Vorstellungen vom Verlust der “Heimat” präsentieren darf, dann wird klar, dass hier das publizistische Vorzeigeblatt des deutschen Liberalismus in den anschwellenden Bocksgesang des National-Populismus einfällt. Honi soit qui mal y pense?

    Alexander Gauland (“Warum muss es Populismus sein?”, FAZ, 06.10.18) hat den modernen Klassenkampf entdeckt; er predigt und schürt ihn. Das neue Klasssenhass-Objekt ist die “globalistische Klasse”, sie ist jung, sitzt in den Medien, in den Universitäten, in den “international agierenden Unternehmen”, sie spricht “fliessend Englisch”, pendelt zwischen Berlin, London und Singapur, sie ist urban, kulturell “bunt”, aber ohne “Heimat”. “Frau Wagenknecht” [!], so der Apologet eines modernistisch-antiglobalen-antikapitalistischen Neofaschismus, “hat das begriffen”. Nichts ist hier begriffen. Eine neue interkommunikative Welt ist nicht heimatlos, sondern sie hat den Heimatbegriff erweitert. Entfernung ist nicht mehr das Problem. Krähwinkel ist verlassen, aber das Nest ist doch nicht zerstört. Hier wird in der FAZ einem kruden, welt- und sprachfremden Anti-Intellektualismus und Anti-Modernismus Raum gewährt, der genau den senil-revisionistischen Kern des Problems ausmacht, gegen den sich die Resolution des VHD wendet.

    Und was soll man zum Furor des “Histokritikers” (Kellerhof, “Wie politisch darf ein Historikerverband sein?, WELT, 30.09.18) Michael Wolffsohn sagen, oder anders gewendet: was hätte Thomas Mann zu dessen unzeitgemäß-unmäßigen Ausfällen gegen einen vor Sprach- und Demokratiegefährdung warnenden Historikerverband gesagt, wenn Wolffsohn die Resolution des VHD mit der Anmassung einer “Volontée Générale” vergleicht, die “zum Mord an Millionen geführt” habe? Das grenzt an Rufmord und ist wesentlich übler als Martinus Wirschingens dümmliche Diffamierung der VHD Mitgliederversammlung als “Volkskammer der Geschichtsschaffenden” (“beuteltragende[r] Nachlassverwalter Clios”) unter der Fuchtel “einflussreicher DDR-Historiker” (“Brav wuff machen”, ach.gut, 30.9.18). Thomas Mann hat, angesichts der Zugewinne der NSDAP in der Reichstagswahl vom 14. September 1930 (NSDAP: 18,3%), am 17. Oktober des gleichen Jahres in seinem Berliner “Appell an die Vernunft” (“Deutsche Ansprache”, Berlin 1930) wenig anderes getan als der VHD 2018 in Münster, sprachgewaltiger freilich, aber in der Stoßrichtung vergleichbar. Völkisches NS-Gedankengut dürfe nicht zum “Massenopiat” werden, “derwischmäßiges Wiederholen monotoner Stichworte” und “orgiastische” Leugnung der Vernunft nicht zur Alltagsäußerung. Manns Rede im Berliner Beethoven-Saal wurde bereits durch SA-Trupps grölend gestört. So weit sind wir – noch – nicht.

    Was Patrick Bahners mit seinem Beitrag vom 29.9. angebahnt hat und Alexander Gauland in seinem Gastkommentar in der gleichen “Zeitung für Deutschland” am 6. Oktober dann auf die rechtspopulistische Ebene des Völkischen heben durfte, das nageln Dominik Geppert und Peter Hoeres am 10. Oktober (“Gegen Gruppendruck und Bekenntniszwang”, FAZ, 12.10.18) auf die Pinwand des AfD-lastigen Neokonservatismus: Da ist, Bahners oft nachschreibend, die Rede von der “geschlossene[n] Einheitsfront der Wohlmeinenden”, da ist von der “dauerhafte[n] Öffnung der Grenzen im Herbst 2015” zu lesen, von diskursabschneidenden und ehrverletzenden “Diffamierungen von links” – durchweg AfD-Parolen übrigens -; und man reibt sich verwundert die Augen, wenn die Mitgliederversammlung hinter der Resolution des VHD mit einem “Juste milieu” verglichen wird, das “die Diskursgrenzen immer enger” ziehe und “vieles, was gesellschaftlich umstritten” sei, aus dem Kreis des “Diskutierbaren ausgeschlossen sehen möchte”. Juste milieu? Können Historiker die Ergebnisse der Juli-Revolution 1830 derart missverstehen? Es ist doch eher umgekehrt so, dass sich die Resolution als historisch gut begründeter Weckruf an den Liberalkonservatismus eines zögerlich-kompromissbereiten Abwartens wendet, das den politischen Verirrungen des Pegida- und AfD-Neofaschismus so lange freien Lauf lässt, bis sie zu unbremsbaren Selbstläufern werden. Das Juste milieu ist mit Heinrich Heine “der Sumpf, der in der Mitte liegt”. Irrlichter dieses Sumpfes haben offensichtlich manch kritischem Kommentator der Münsterschen VHD-Resolution die Feder geführt.

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    Ich wurde auf Twitter dazu eingeladen, meinen dort abgegebenen Kommentar auch hier zu hinterlassen. Das tue ich gern, zumal ich es hier ausführlicher begründen kann.[1]

    Ich stimme der Resolution “zu gegenwärtigen Gefährdungen der Demokratie” zu und finde es sehr gut, dass sich der VHD auf diese Weise öffentlich einbringt. Da die Beschäftigung mit demokratischen und nicht-demokratischen Strukturen in der Geschichte zum Kernbereich vieler Historiker*innen gehört, besitzen sie eine Expertise, die auch in gegenwärtigen Debatten wichtig ist. Wenn demokratische Errungenschaften infrage gestellt werden, wenn die Manipulation von Geschichtsbildern Teil der Strategie von Antidemokrat*innen ist, wird die Gegenrede zur wissenschaftlichen Pflicht.

    Wie Thomas Sandkühler kann ich viele der in Presse und sozialen Medien aufgeworfenen Kritikpunkte an der Resolution nicht nachvollziehen. Die meisten der hier formulierten Gegenargumente finde ich treffend. Zwei Sätze werfen bei mir allerdings Fragen auf:

    “Es handelt sich um einen Frontalangriff auf die AfD. Es stimmt: Deutsche Historiker*innen, soweit sie an der Mitgliederversammlung des VHD teilnahmen, stehen links von der Mitte.”

    Ist das wirklich so? Ich halte es für wichtig, die Resolution nicht als “Frontalangriff”, sondern als Stellungnahme zu verstehen, vor allem vor dem Hintergrund einer durch Sprachgebrauch aufgeheizten politischen Debattenkultur. Die Stellungnahme richtet sich nicht nur gegen die AfD, sondern plädiert für die Einhaltung des demokratischen Miteinanders und gegen antidemokratische Phänomene in Politik und Gesellschaft (Diskriminierung, Nationalismus, Populismus, Geschichtsverfälschung). Sie bezieht also zu weit mehr Position als nur gegen eine Partei.

    Der zweite Satz verortet die bei der Mitgliederversammlung anwesenden Historiker*innen im politischen Spektrum. Ganz davon abgesehen, ob sich diese Zuordnung mit der Selbstverortung der Anwesenden deckt, kann er im Zusammenhang mit dem vorherigen Satz so ausgelegt werden, als wäre die AfD Teil der politischen “Mitte” – was sie nicht ist. Zusätzlich wird durch die Verortung gerade jene Argumentationsebene betreten, die Ziel der medialen Kritik war (“Parteitag”). Wäre es nicht besser zu betonen, dass die Resolution unabhängig von Parteipräferenzen eine Übereinkunft von Demokrat*innen ist? Es würde (zusätzlich zum starken letzten Abschnitt dieses Textes) hervorheben, dass es nicht um Tagespolitik, sondern um die obersten Grundwerte der Demokratie geht.

    Anmerkungen
    [1] Zum Tweet: https://twitter.com/PH_Weekly/status/1052801963040096256 (Letzter Zugriff am 19.10.2018).

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    Da ich leider wegen einer gleichzeitigen Tagung in Hamburg nicht auf dem Historikertag sein konnte, und zudem wegen anschließenden Urlaubs nur Teile der sich entspinnenden Diskussion mitbekommen habe, kann ich zu den Entstehungsbedingungen der Resolution nichts sagen.

    Ein paar Punkte möchte ich aber doch ergänzen. Zum Teil habe ich sie auch schon auf Twitter geäußert. Dort irgendwie einen Zusammenhang und einen Verlauf rekonstruieren zu wollen, übersteigt aber meine Fähigkeiten. Ich bin deshalb dankbar für die von PHW eröffnete Möglichkeit, hier noch einmal etwas geschlossener zu kommentieren.

    Zunächst: Dass die Resolution quasi für alle Historiker*innen spräche bzw. sie verpflichte, kann ich nicht erkennen. Sie ist Ausdruck einer mehrheitlichen Auffassung des Verbandes, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das heißt, dass Mitgliedern wie anderen auch ein Dissens durchaus möglich bleibt (was ja auch weidlich genutzt wird, sonst hätten wir diese hoffentlich einiges klärende Diskussion nicht). Eine solche Resolution wirkt nicht verpflichtend nach “innen”.

    Die Vorstellung einer “volonté génerale”, eines “eigentlichen Willens aller” Kolleg*innen, der sich in ihr ausdrücke, ist ebenso irrig, wie derjenige, dass solche Resolutionen nur dann legitim wären, wenn jede(r) einzelne sie mittragen würde. Dann bräuchten man keine Abstimmungen, dann hätte man einen Konsens, der aber wohl wenig aussagte und auch ein schlechtes Zeichen für den Zustand einer Wissenschaft in einer pluralen Gesellschaft wäre.

    Eine mehrheitlich beschlossene Resolution stellt somit zunächst einmal genau das dar: eine mehrheitlich beschlossene Stellungnahme der Mitglieder eines Verbandes. Aber natürlich ist sie mehr als ein qua Tagung und Anwesenheit zufällig einmal möglich gewordene “Stimmungsbild”. Sie gilt m.E. zunächst einmal für die Politik des Verbandes und bindet somit Vorstand und Ausschuss in ihrem weiteren Agieren für den Verband. Werden diese angefragt, wie denn “der Verband” zu einer Frage stehe, dann können sie nunmehr weder aufgrund des Fehlens einer Aussage quasi “frei extemporieren” noch gegenteilige Stellungnahmen abgeben. Verbandspolitik gegen die geäußerten Stellungnahme ist nicht ohne Revision statthaft, die aber natürlich bei fortgesetzter Willensbildung – ganz demokratisch – möglich ist.

    Nicht, dass das jemand von Vorstand und Ausschuss erwarten würde – im Gegenteil. Aber genau hier liegt die Bedeutung der Resolution und ihrer inhaltlichen Ausrichtung: Individuell, persönlich, etwa wären Verlautbarungen auch von Mitgliedern und Funktionären des Verbandes dahingehend (diskriminierende Begriffe wären kein Problem oder gar nötig, oder Migration wäre immer Ursache allen Übels) noch von der Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit gedeckt, nicht aber als Positionen des Verbandes. Genau das ist auch richtig so.

    Zum Inhaltlichen: Die Resolution gibt offenkundig die Auffassung der Mehrheit der anwesenden Mitglieder wieder, dass es eines Schutzes der Demokratie und ihrer politischen Kultur bedarf, die auch als Bedingungen für wissenschaftliche Freiheit in Forschung sowie Kommunikation über ihre Voraussetzungen und Ergebnisse angesehen werden. Das ist so weit wohl unstrittig. Auch dass die dazu aufgeführten Beispiele für eine diese Freiheit und Kultur gefährdenden Sprache und Menschenbilder aus dem (leider nicht mehr nur extrem) “rechten” Spektrum der politischen Positionen kommen, bedeutet m.E. nicht, dass sich der Verband einseitig positionieren würde. Er stimmt nur mehrheitlich in der Wahrnehmung überein, dass gerade diese die derzeit akute und zur Stellungnahme auffordernde Gefährdung kennzeichnen. M.E. wäre es keineswegs ein Widerspruch, wenn (etwa auf dem nächsten Verbandstag) eine Ergänzung um entsprechende, die Demokratie gefährdende Begriffe und Haltungen beschlossen würde. Nur muss man die dann auch konkret benennen und diskutieren. Die Vorstellung einer quasi vorgegebenen “Ausgewogenheit” gegen “rechts” und “links” ist jedenfalls abwegig, weil letztlich selbst für die Belange des eigenen Fachs unpolitisch.

    Wo Gefährdungen auch von anderer Seite wahrgenommen werden, sind die ebenso zu benennen. Sie wurden es aber nicht und werden es auch derzeit nicht. Klagen etwa, dass zwar der Begriff des “Volksverräters” inkriminiert werde, nicht aber der des “Rassisten”, verkennen wesentliche Unterschiede zwischen diesen. Der eine impliziert eine Strafbarkeit politischen Handelns, der andere markiert eine Position. Dass über das Zutreffen der Bezeichnung von Personen mit diesen Begriffen immer wieder auch gestritten werden kann und muss (!), darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass beide Begriffe nicht auf der gleichen Ebene liegen, ersterer als Begriff untragbar ist, letzterer aber nicht.

    Letztlich gilt das oben Gesagte auch für die europapolitischen und migrationshistorischen Aussagen. Bei Letzteren ist argumentiert worden, Historiker*innen dürften für solche wertenden Aussagen keine besondere Fachkompetenz reklamieren. Dazu hat Thomas Sandkühler schon das Wesentliche gesagt. Werturteile sind in historischen Aussagen immer enthalten.

    Die Formulierung zur Migration differenziert (“Ungeachtet … Probleme”) und bilanziert (“insgesamt”) durchaus und richtet sich so gerade gegen von jeglicher Fachkompetenz freie und verengende Verallgemeinerung, diese sei immer “Ursache aller Probleme”. Hier können Historiker*innen durchaus aus ihrer Fachkompetenz zur Differenzierung heraus eine Orientierung auf eine Politik fordern, die eben nicht mit der verkürzten Wahrnehmung “die Migration” (als gäbe es nur eine) sei immer “Ursache aller Probleme” die Menschen- und Bürgerrechte untergräbt. Mehr ist in der Resolution dazu gar nicht gesagt – aber auch nicht weniger.

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    Auch mich hat die Twitter-Aufforderung erreicht, die Überlegungen von Herrn Sandkühler zu diskutieren. Eine erste Reaktion hatte ich schon auf meinem Blog gepostet (https://geschichtsadmin.hypotheses.org/597). Ich möchte hier vorne beginnen und es noch einmal ein wenig anders anpacken:

    1. Selbstverständlich darf der VHD Resolutionen formulieren und mit Mehrheitsbeschluss verabschieden, solange dies nach den selbst gesetzten Regeln geschieht. Daran kann es keinen begründeten Zweifel geben. Der VHD maßt sich damit auch kein allgemeinpolitisches Mandat an.

    2. Dennoch ist das nicht das Gleiche wie die politische Äußerung eines Historikers oder einer Historikerin. Auch diejenigen, die die Resolution kritisieren, haben meines Erachtens nicht gefordert, dass diese – obwohl Staatsbürger*innen – „ihre Rechte (…) an der Eingangstür zur Mitgliederversammlung abgeben“. Es macht doch einen Unterschied, ob sich eine Historikerin oder ein Historikerverband äußern.

    3. Einen wichtigen Unterschied sehe ich darin, dass der einzelne Historiker, die einzelne Historikerin zwar dann, wenn er oder sie sich „als Historiker*in“ äußert, an die fachlichen Standards gebunden ist, aber in diesem Rahmen nicht für „die“ Geschichtswissenschaft spricht. Das ist im Falle eines Verbandes anders, und ich meine, das ist auch für ein höheres Erwartungsniveau verantwortlich. Das gilt auch dann, wenn Resolutionen keinen volonté générale zum Ausdruck bringen, sondern nur eine offenkundig mehrheitsfähige Position.

    4. Mein eigenes Problem mit der Resolution möchte ich zunächst am Abschnitt „Für Humanität und Recht, gegen die Diskriminierung von Migranten“ deutlich machen. Dort heißt es: „Migration ist eine historische Konstante. Ungeachtet aller mit ihr verbundenen Probleme hat sie die beteiligten Gesellschaften insgesamt bereichert – auch die deutsche. Deshalb ist auf eine aktive, von Pragmatismus getragene Migrations- und Integrationspolitik hinzuarbeiten, die sowohl die Menschenrechte als auch das Völkerrecht respektiert. Es gilt, das durch die Verfassung garantierte Recht auf politisches Asyl sowie die Pflicht zur Hilfeleistung in humanitären Krisensituationen so anzuwenden, wie es Deutschland nicht nur aufgrund seiner ökonomischen Potenz, sondern auch aus historischen Gründen zukommt.“ Ich zitiere das im vollen Wortlaut, weil mir scheint, dass hier ein naturalistischer Fehlschluss formuliert wird, der die Resolution angreifbar macht. Formuliert wird, dass die Befunde der historischen Migrationsforschung eher positive Wirkungen von Einwanderung erwarten lassen. Daraus wird mit einem „Deshalb“ gefolgert, dass wir uns daher um eine einwanderungsfreundliche oder mindestens Menschen zugewandte Migrationspolitik bemühen sollen. Auch ich setze mich in meinem Rahmen für eine solche menschenfreundliche Migrationspolitik ein. Nur: Mit den Befunden der historischen Migrationsforschung hat das wenig zu tun, eher mit meinen eigenen ethischen Positionen. Stellen wir uns – Gedankenexperiment – für eine Minute vor, die Befunde der historischen Migrationsforschung, wie sie 2020-2030 betrieben werden wird, käme zum gegenteiligen Ergebnis und würde nun eher negative Wirkungen erwarten lassen – würde ich meine menschenfreundliche Haltung dann aufgeben müssen? Ich glaube nicht. Und ich glaube auch nicht, dass der Hinweis darauf, dass „Aussagen über vergangene Sachverhalte (…) erst durch ihren Normbezug zu historischen Aussagen“ werden, reicht, um dieses logische Problem zu entschärfen.

    5. Was also sollte der Bezug auf die historische Migrationsforschung leisten? Ich glaube, man sollte diese Befunde direkt in den öffentlichen Diskurs einspeisen – was Historiker*innen auch schon tun. Eine VHD-Resolution etwa könnte Politiker*innen aller Parteien auch direkt auffordern, diese wissenschaftlichen Befunde zur Kenntnis zu nehmen und in der politischen Diskussion zu berücksichtigen. Ob das Erfolg haben würde? Ich bin skeptisch. Aber es wäre eine legitime Forderung, die in einer VHD-Resolution formuliert werden könnte, ohne daraus inhaltliche Positionen abzuleiten. Und sie würde keine logischen Anforderungen verletzen.

    6. Was ich zudem vermisse, ist das Kerngeschäft von Historiker*innen: die historische, auch auf die längere Dauer schauende Genese dessen, was die VHD-Resolution als schützenswert beschreibt. Und den Kreis des Schützenswerten würde ich gerne weiter ziehen. Ich vermisse den Rechtsstaat (verstanden als ein Staat, der sich durch Abwehrrechte des Einzelnen gegen den Staat selbst bindet) und die Verteidigung des „liberalen“ Staates – die Beispiele Ungarn und Polen zeigen, dass es Demokratie auch in illiberalen Ausprägungen gibt. Mehrheiten dürfen in Deutschland nicht alles. Das scheint mir wichtig, und es scheint mir erklärungsbedürftig, gerade heute – dazu hätte der VHD viel beizutragen. (Auch hier gilt: Viele Historiker*innen tun das schon. Der Verband hätte darauf verweisen können.)

    7. Und schließlich darf und muss der Verband auch „pro domo“ sprechen, was er im letzten Abschnitt auch angeht – aber m.E. nicht deutlich genug. Geschichtswissenschaft kann sich nur in einer liberal und plural verfassten Gesellschaft produktiv entwickeln. Die „maßlose[n] Angriffe auf die demokratischen Institutionen“ gefährden nicht nur die Demokratie, sondern auch die Geschichtswissenschaft (Ungarn ist hierfür ein gutes Beispiel). Keine Frage, was wichtiger ist – Demokratie (und liberaler Rechtsstaat) geht vor Geschichtswissenschaft. Aber das lässt sich ja ohnehin nicht trennen. Es wäre die Mühe wert, hier zu erklären, wie das eine das andere bedingt.

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    Andreas Frings’ Kritik an der Resolution ist die bislang differenzierteste, die ich kenne. Daher noch ein paar kleine Ergänzungen zu meinem Kommentar:

    In Bezug auf die Stellungnahme zur Migrationspolitik und -geschichte diagnostiziert er einen “naturalistischen Fehlschluss”. Den kann ich hier nicht erkennen. Die Resolution unterstellt dem Phänomen keineswegs grundsätzlich, qua Natur ethisch gut zu sein. Daher ist der in der Resolution formulierte Schluss auf eine bestimmte Migrationspolitik auch kein solch naturalistischer Fehlschluss.

    Dazu zwei Schritte der Argumentation, einmal zur migrationsgeschichtlichen Aussage und einmal zur migrationspolitischen Empfehlung oder Forderung. Mit letzterem sei begonnen:

    Hierzu stellt sich in der Tat die Frage des allgemeinpolitischen Mandats. Ich sehe nicht, warum ein Verband, der keineswegs (etwa qua Zwangsmitgliedschaft wie eine Kammer) stellvertretend für alle Angehörigen einer Berufsgruppe spricht (und auch bei Kammern gälte m.E. mein früher angeführtes Argument, dass individueller Dissens natürlich möglich bleibt) nicht durchaus auch zu allgemeinen politischen Fragen Stellung nehmen kann und dabei eine bestimmte Expertise einbringt. Es geht hier doch um “Vergangenheitspolitik” – nicht im engeren Sinne aktueller politischer Entscheidungen angesichts der Bewältigung von Diktaturerfahrungen – sondern in einer breiteren aber gleichen Logik: Welche aktuellen Entscheidungen können oder müssen angesichts historischer Erfahrungen getroffen werden, und welche historischen Argumente können für und/oder gegen eine bestimmte Entscheidung und/oder aber für oder gegen Prinzipien solch politischer Entscheidungen vorgebracht werden?

    Der VHD hat in seiner Resolution vor allem letzteres adressiert. Er hat keine bestimmte, konkrete Politik befürwortet (schon gar keine bestimmte parteipolitische Linie, denn angesichts des Abkommens mit der Türkei etc. ist die Politik der derzeitigen Bundesregierung ja weder völlig ohne Ambivalenzen noch könnte sie nur von einer Richtung her kritisiert werden), sondern in eher negativer Abgrenzung bestimmte Prinzipien unterstützt. Warum das nur einzelnen Historiker*innen möglich sein soll, nicht aber auch einem Berufsverband, ist mir nicht ersichtlich. Auch als individuelle Historiker*innen würden wir hoffentlich immer auch unsere Expertise anführen und nicht bei jeder politischen Stellungnahme betonen, ab einem bestimmten Punkt sprächen wir – nur noch – als Bürger*innen und hätten alles andere vergessen. Nein, dieser zweite Teil (ab “deshalb” in der Resolution) ist in der Tat eine politische Stellungnahme, eine Art Orientierungsempfehlung angesichts einer versammelten historischen Expertise, nicht unisono, nicht volonté génerale, aber mehrheitsfähig. Ich wüsste nicht, warum das nicht legitim sein sollte. Auch wenn – wie Frings schreibt – in 15-20 Jahren ein Urteil anders ausfallen sollte, wäre er keineswegs gezwungen, sein politisches Urteil zu ändern, weil es ja gerade nicht aus der historischen Expertise zwingend folgt, sondern mit ihr gestützt wird – und eine Versammlung des VHD wäre dann natürlich ebenso legitimiert, andere Empfehlungen zu geben.

    Zum zweiten Teil: der historischen Aussage. Hier sind es insbesondere die Verweise auf keineswegs “positive” Folgen bestimmter Migrationen (für Migrierte, Zurückgebliebene und/oder Bevölkerungen der Zielgebiete), die mit einigem Recht kritisch angeführt werden: Zwangsmigrationen, Deportationen, Entvölkerung und “brain drain”, aber vor allem auch Verdrängungen und Auslöschungen dürfen nicht aus der Migrationsgeschichte eskamotiert werden. Man hätte sie wohl in der Tat deutlicher herausstellen können (und vielleicht auch müssen) und formulieren, dass “keineswegs alle Formen und konkreten Beispiele von Migration nur positive Effekte hatte, dass im Gegenteil auch schwerstes Unrecht geschehen ist, und wohl auch kein einziger Vorgang jeweils entweder nur positiv oder negativ zu werten sei, sondern vieles ambivalent – und das oft schon sowohl aus zeitgenössischer Sicht wie im retrospektiven Urteil”. Das wäre sicher besser. Aber die Resolution steht solchen Formulierungen mit ihrem “Ungeachtet aller mit ihr verbundenen Probleme” und “insgesamt” keineswegs entgegen. Sie verdeckt solche Differenzierung jedoch. Im Gesamturteil zu diesem “insgesamt” zu kommen, ist aber eine Kombination von Sach- und Werturteil, die auch fachlich legitim ist. Sie richtet sich (so verstehe und unterstütze ich das jedenfalls) gegen eine andere, derzeit virulente Entdifferenzierung, nämlich Migration (!) sei die Ursache allen Übels. (siehe meinen vorigen Kommentar).

    Das aber ist nun bedeutend: Solche Hinweise auf (auch oder ganz?) negative Beispiele von Migration werden teilweise mit dem Vorwurf verbunden, die Resolution sei politisch “unausgewogen” oder gar “einseitig”. Nein, “Ausgewogenheit” ist hier m.E. eine völlig falsche, neutralistische Kategorie.

    Die Resolution richtet sich ihrem Wortlaut nach keineswegs nur “gegen rechts” oder gar die AfD, sondern formuliert Prinzipien und Empfehlungen (s.u.) – und ob sie das wirklich von einer Position “links von der Mitte” tut, ob wirklich alle unterstützenden Kollegen “dort” anzusiedeln sind, ist m.E. unbeachtlich.

    Weder sind die Resolution wie ich sie verstehe und stütze und die unterstützenden Kolleg*innen – vorher oder durch ihre Unterstützung – (eher) “links von der Mitte”, noch sollte gefolgert werden können (oder nur angedeutet werden), die konfrontierten Weisen des Sprechens, Verkürzungen von Deutungen und Diskussionen sowie bestimmte, die unterstützten Prinzipien geringachtende Politiken und mit ihnen identifizierte Parteien oder Politiker (incl. der AfD) seien Teil dieser “Mitte”.

    Fehlende Differenzierung darf (ggf. muss) bemängelt werden, fehlende “Ausgewogenheit” wäre ein Kategorienfehler.

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    Ich war in der Mitgliederversammlung anwesend und konnte der Resolution problemlos zustimmen, weil sie meiner persönlichen Meinung entsprach. Ich kann aber verstehen, wenn bemängelt wird, dass die Resolution zu viele konkrete Punkte enthielt, was zwangsläufig ihre Zustimmungsfähigkeit verringert hat. Zum Beispiel wäre es besser gewesen, die Resolution hätte weniger anderes ausgeführt, dafür stärker hervorgehoben, dass eine liberale Demokratie Voraussetzung für eine freie Forschung ist. (Mir berichten z. B. ungarische Kollegen, dass sie unter starkem Druck stehen.) Einzelnes wurde auch diskutiert. Die Zeit reichte aber nicht, alle Absätze durchzustimmen. In einem universitären Senat oder Fakultätsrat wäre das praktizierte Abstimmungsverfahren schwer vorstellbar gewesen. Immerhin ist festzuhalten, dass eine geheime Abstimmung beantragt war und die Mehrheit der Versammlung diesen Antrag zur Geschäftsordnung abgelehnt hat.
    Der Vorwurf, man habe sich ein unerlaubtes allgemeinpolitisches Mandat angemaßt, erinnert mich an eine Kampagne, die vor Jahrzehnten der RCDS gegen die verfassten Studentenschaften geführt hat. Das ist wirklich eine Klamotte. Der VHD ist keine Zwangskörperschaft und kann sich folglich auch Äußerungen zur allgemeinen Politik erlauben. Zur Wertgebundenheit der Wissenschaft ist oben alles Nötige ausgeführt.

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    Weniger als einen Monat nach dem Historikertag haben sich die Befürchtungen, die in der FAZ vom 13.10. geäußert wurden, vollauf bestätigt. Für Thomas Sandkühler – es handelt sich wohlgemerkt nicht um das böswillige Mißverständnis eines Gegners -, ist klar: “Deutsche Historiker*innen, soweit sie an der Mitgliederversammlung des VHD teilnahmen, stehen links von der Mitte”: also auch ich als Teilnehmer der Versammlung. So wird ein Verband gekapert – nicht ohne Selbststilisierung als Angegriffener: Eine Resolution wird ohne Ankündigung eingebracht, die Möglichkeit zur Mitwirkung hat nur ein kleiner Teil der Verbandsmitglieder – aber: “Selbstverständlich muss sich die Geschichtswissenschaft gegen ihre fremdgesteuerte Politisierung zur Wehr setzen”. Fremdgesteuerte Politisierung – das sind immer nur die anderen.

    Wolfgang U. Eckart greift das auf, um in einem Rundumschlag von Patrick Bahners (“angebahnt”) über Alexander Gauland (“auf die Ebene des Populistischen gehoben”) zu Geppert/Hoeres (“auf die Pinwand des ‘AfD-lastigen Neokonservatismus’ [was soll das eigentlich heißen?] genagelt”) zu kommen und damit eine gemeinsame Strategie zu suggerieren. Was sagt es eigentlich über die späteren Kommentare in diesen Spalten, daß niemand diese Diffamierung auch nur andeutungsweise kritisiert? Immerhin beantwortet Eckert die schon auf dem Historikertag gestellte Frage nach den Adressaten, die er in einem zögerlich-kompromissbereiten “Liberalkonservatismus” sieht. Aber wird dieser Text eigentlich irgendjemanden erreichen, der nicht schon “links der Mitte” steht?

    Die Verabschiedung der Resolution war ein Fehler. Taktisch ist sie gescheitert: Die Resonanz war überwiegend negativ, wie am verheerendsten vielleicht der eine, harmlose Tweet von Jens Bisky (SZ) zeigt: “Irgendwie will ich von Historikern was anderes als Resolutionen.” Die SZ zeigt sich freundlich distanziert, Zeit und Spiegel nehmen gleich gar nicht zur Kenntnis (Stand 24.10.), in der taz wird Mitinitiatorin Petra Terhoeven mit dem Satz zitiert “Eigentlich erinnern wir doch nur an Selbstverständlichkeiten”, bevor der Redakteur Stefan Reinecke erklärt, wie der Text besser hätte lauten sollen.

    Aber vielleicht ist mangelnde Außenwirkung auch gar kein Schaden, denn der scharfe Ton von Sandkühler und Eckart legt nahe: Das Ziel ist nicht die Überzeugung, seit Münster geht es um einen hegemonialen Diskurs. Hier werden Grenzen gezogen. So werden leicht auch Einwände mißverstanden, etwa bei der Frage, ob Historiker*innen sich politisch äußern dürften. Sie ist doppelt falsch gestellt. Erstens hat das niemand bestritten – im Gegenteil wurde auf die unheilvolle Tradition einer vermeintlich unpolitischen, tatsächlich antidemokratischen Haltung von Hochschullehrer*innen hingewiesen. Doch dürfen Historiker*innen sich in politischen Fragen eine höhere Kompetenz anmaßen als andere? Nicht nur die Qualität der Aussagen zur Migration läßt Zweifel. Die Befürworter*innen beanspruchen selbstbewußt eine solche Überlegenheit, aber hier liegt ja die Relevanz des gern mißverstandenen Vergleiches von Geppert/Hoeres: Frühere Historikergenerationen haben sich wiederholt so verblendet gezeigt – warum sollten ausgerechnet heutige Historiker*innen hellsichtiger sein?

    Zweitens bestreitet niemand, daß Historiker*innen sich einzeln oder in Gruppen politisch äußern dürfen. Theodor Mommsen wurde genannt: Er hat aber nicht “Deutsche Historiker*innen, soweit sie an der Mitgliederversammlung des VHD teilnahmen” für seine Überzeugung in Anspruch genommen, sondern für sich gesprochen. Hierin liegt der Unterschied zur Resolution des VHD; es ist kein Unterschied des “höheren Erwartungsniveaus” (Frings), das sich an die Historiker*innen als Kollektiv richte, sondern ein Unterschied in der Inanspruchnahme anderer für die eigene Position.

    Wohl erlaubt die Satzung der Mitgliederversammlung, zu verabschieden, was sie mehrheitlich verabschieden will. Doch Zurückhaltung wäre klug gewesen; selbst ohne die klandestine Vorbereitung der Resolution und die gewählte Überwältigungsstrategie bleibt ein Schaden. Denn was macht ein solches Vorgehen aus einem Verband? Thomas Stamm-Kuhlmann hat das mit kristalliner Klarheit artikuliert: “Der VHD ist keine Zwangskörperschaft”: Wem die politische Richtung nicht paßt, der kann ja gehen. Das kann man so sehen, aber eine solche Haltung verändert den Verband grundlegend, und langfristig wohl auch unsere Gesellschaft.

    Wem hier keine moralischen Zweifel kommen, der sollte wenigstens strategisch denken: Ein Blick in die USA zeigt, was verlorengeht, wenn ein common ground aufgegeben wird, der von politischer Vereinnahmung freigehalten wird. (Außer in Notstandssituationen, eine solche verneint die Resolution aber ausdrücklich.) Die Autorität von Historiker*innen als Spezialist*innen wird einer solchen Polarisierung zum Opfer fallen; Kritiker*innen, die unsere Argumente gar nicht mehr hören wollen, spielt die Resolution in die Hände. Diese Möglichkeit wurde rasch aufgegriffen; das insgesamt schwache Medienecho war ja – eigenartigerweise spielt dieser Umstand in der Diskussion gar keine Rolle – nirgends so stark wie auf der rechten Seite des politischen Spektrums. Eine Resolution, die vor allem auf der rechten Seite aufgegriffen und als Mittel der Spaltung von Gesellschaft benutzt wird, als Ergebnis eines Historikertages “Gespaltene Gesellschaft”: Fürwahr eine Meisterleistung!

    Und die andere Seite? Unter VHDtweets – dem account des Verbandes! – fand sich die Kritik zunächst gar nicht, dann mehrere Verteidiger der Resolution, bis man schließlich auch das Interview von Hoeres im Deutschlandfunk verlinkte – nicht ohne den Gegentweet von Johannes Paulmann gleich hinterherzuschieben. Hier werden Grenzen gezogen, denn: “Es geht um unsere Sache!” Thomas Sandkühler und Wolfgang U. Eckart haben in aller Klarheit gezeigt, wohin ihrer Meinung nach die Reise gehen soll. Die Mitglieder des VHD sollten sich ernsthaft fragen, welchen Preis diese Reise hätte.

  8. To all our non-German speaking readers we recommend the automatic DeepL-Translator. Just copy and paste.

    Es ist etwas ruhig geworden hier. Dabei ist weiterhin vieles bemerkenswert, vor allem in Bezug auf die Rezeption der Resolution, vor allem durch ihre scharfen Kritiker. Kritik im Einzelnen, und detaillierte Analysen, findet sich durchaus — so etwa von Andreas Frings hier weiter oben. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass einzelne Formulierungen abgewogen werden.

    Es sind vor allem die Vorwürfe, “die Historiker” gerierten sich damit als “Knechte der Macht” (so in einem Tweet von @havelpreuße) auf einen entsprechenden Tweet von Jörg Baberowski antwortend, bzw. sie “ergriffen Partei für Angela Merkels Flüchtlingspolitik und gegen alle ihre Kritiker” (so Götz Frömming auf der Webseite der SFD-Bundestagsfraktion), die deutlich zeigen, dass alle historische Kompetenz und Sorgfalt in der Analyse historisch-politischer Texte über Bord geworfen wurde, drückt doch etwa die in der Resolution zu findende Schlussfolgerung, es sei auf eine “aktive, von Pragmatismus getragene Migrations- und Integrationspolitik hinzuarbeiten, die sowohl die Menschenrechte als auch das Völkerrecht respektiert”, und es gelte, “das durch die Verfassung garantierte Recht auf politisches Asyl sowie die Pflicht zur Hilfeleistung in humanitären Krisensituationen so anzuwenden, wie es Deutschland nicht nur aufgrund seiner ökonomischen Potenz, sondern auch aus historischen Gründen zukomme”, keineswegs ungebrochen Zustimmung zur gegenwärtigen Politik der Bundesregierung gerade in Migrationsfragen aus. Vielmehr kann man darin zumindest auch eine deutliche Besorgnis lesen, dass die gegenwärtige Politik der Regierung keineswegs diese Rechte hinreichend sicherstellt und achtet.

    Es ist (unter anderem) gerade diese Stelle, welche — bei sorgfältig-kritischer und fachlich angemessen vorsichtiger Interpretation — deutlich macht, dass die Mehrheit der Anwesenden in der Mitgliederversammlung keineswegs eine einheitliche Politik vertreten, schon gar nicht diejenige der Regierung, sondern dass sie gemeinsame eine Schlussfolgerung aus ihrer migrationsgeschichtlichen Interpretation ziehen, die einen Rahmen formuliert, innerhalb dessen sich solche Politik bewegen soll.

    Was man aus der Formulierung auch bei der vorsichtigen Interpretation sicher herauslesen kann, ist eben die Unterstützung dieses menschen- und völkerrechtlichen Rahmens. Das aber wirft die Frage auf, wie die Kritiker der Resolution, die insbesondere auf die oben benannte migrationspolitische Forderung abstellen, zu diesem Rahmen stehen:

    Soll die Kritik etwa ausdrücken, dass sie die geforderte Respektierung der Menschen- und Völkerrechte in der Migrationspolitik ablehnen? Wenn dem so sein sollte, dann wäre die Resolution in dieser Hinsicht erst recht wichtig und genau richtig!

    Gleiches gilt für die Bekräftigung der Resolution, auch eine (durchaus als nötig markierte) “prägnante Sprache, die die eigene Position auf den Punkt bringt”, dürfe “anderen aber den grundsätzlichen Respekt” nicht versagen. Ist auch hier die geäußerte scharfe Kritik als Ausdruck einer Position zu verstehen, dass entweder eine solche Sprache als legitim oder gar nötig angesehen wird (vulgo: “man wird ja wohl noch sagen dürfen”) — ich hoffe, nicht.

  9. To all our non-German speaking readers we recommend the automatic DeepL-Translator. Just copy and paste.

    Ich finde es richtig, dass über die Resolution des Historikerverbandes gestritten wird. Streitkultur im Medium von Argumentation ist erkenntnisförderlich. Sandkühlers Begründung dafür, dass der Historikerverband sich öffentlich zum politischen Kontext des Faches äußert, ist geschichtstheoretisch überzeugend. Werturteilsfreiheit schließt eine kritische Reflexion der Bedingungen und Möglichkeiten fachlicher historischer Arbeit nicht aus, sondern geradezu ein, insbesondere wenn es darum geht gegenwärtige Tendenzen der politischen Kultur mit historischen Erfahrungen der Zerstörung einer wissenschaftsfreundlichen Kultur zu konfrontieren. Das Fach Geschichte reklamiert mit Recht einen besonderen epistemologischen Status aufgrund seiner methodischen Regelung von Forschung als Grundlage der historischen Erkenntnis. Eben diese Besonderheit bringt es in die Geschichtskultur seiner Zeit ein. Damit aber gehört eine Reflexion der politischen Umstände, in denen die fachliche Arbeit erfolgt, zur kritischen Selbstvergewisserung der historischen Arbeit. Das Fach kann sich aus zwingenden epistemologischen Gründen dieser Selbstvergewisserung nicht entziehen.

    Die in Frage stehende Resolution gehört in diesen reflexiven Prozess historischer Fachlichkeit. Soweit sogut – in einer rein formalen Argumentation. Aber wie steht es mit dem Inhalt? Ich halte ihn für weitgehend, aber nicht in allen Teilen für überzeugend. Die zum Teil recht harsche Kritik, die der Resoluton zuteil wurde, indiziert eine unheilvolle Schwäche des Faches gegenüber rechtslastigen Elementen der politischen Kultur (sie hat eine lange Tradition). Dass die Linke, von deren Seite ja auch ideologische Gefährdungen der fachlichen Standards ausgehen können, diesmal ihr Fett nicht abbekommen hat, mag als Manko erscheinen. Aber die Resolution wird damit nicht unglaubwürdig.

    Was ich vermisse, sind Überlegungen, warum die demokratiekritische Rechte seit geraumer Zeit soviel Beachtung gefunden hat. Liegt hier nicht auch ein Versäumnis der Historiker vor? Identität ist ein Schlüsselthema des historischen Denkens. Es beruht auf elementaren Bedürfnissen menschlicher Selbstvergewisserung, die das historische Denken geradezu konstituieren. Unbestreitbar hat diese Frage in den letzten Jahren neue Dringlichkeit bekommen. Ich finde, dass dieses Thema nicht nur von der etablierten Geschichtswissenschaft im Namen eines erfahrungsfernen Postnationalismus und mit einer erschreckenden Macht sprachzensierender Political Correctness den demagogischen Rechten gerade geschenkt wurde. Wer zur Frage, wer wir sind, schweigt, braucht sich über Antworten aus der Mottenkiste überlebter Traditionen nicht zu wundern.

    Es gibt weitere Gefährdungen disziplinärer Errungenschaften und Leistungen. Sie schleichen sich unvermerkter ein und dürften langfristig gefährlicher werden, als plumpe Ressentiments aus der rechten Ecke. Als Symptom verweise ist auf eine Publikation der Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema “Der neue Mensch” (Bonn 2018). Ein sehr wichtiges Thema, aber gehört der Beitrag von Rosi Braidotti (Jenseits des Menschen: Posthumanismus, S. 153-163) dazu? Dieser Text propagiert eine fundamental-antirationale Einstellung, die nichts über neue Menschheitskonzeptionen sagt, sondern nur die alte humanistische restlos zerstört und jeder wissenschaftlichen Arbeit durch Remythisierung des Denkens den Boden entzieht. Er stellt ein sprachliches Gebilde dar, das sehr viel Ähnlichkeit mit den Elaboraten hat, die als Fakes in angeblich seriöse Zeitschriften Eingang gefunden haben. Wenn er eine repäsentationsfähige Position kulturwissenschaftlichen Denken darstellen soll, dann ist es um die Zukunft seriöser Arbeit in unseren Fächern schlecht bestellt.

    Ich finde, dass es an der Zeit ist, regelmäßig und in institutionalisierter Form den Kontext fachhistorischer Arbeit durch die Fachleute kritisch zu reflektieren, um diese Arbeit zukunftsfähig zu erhalten. Die Resolution des Historikerverbandes könnte dazu ein Anfang sein.

  10. To all our non-German speaking readers we recommend the automatic DeepL-Translator. Just copy and paste.

    Als einer der Anwesenden auf der Mitgliederversammlung des VHD muss ich zunächst zugeben, dass ich das allgemeine Prozedere etwas unglücklich fand. Da ich nicht an der Diskussion am Vorabend teilgenommen hatte, wurde ich wie viele andere von der Resolution überrascht. Als ungünstig stellte sich zudem heraus, dass sie im Rahmen einer überlangen Versammlung nochmals verhandelt und leicht modifiziert wurde. Dass es in einem solchen Kontext kaum möglich ist, genauere Festlegungen vorzunehmen, dürfte auf der Hand liegen. Ich persönlich hatte mit der Zustimmung zur Resolution keine Schwierigkeiten, auch wenn ich mir an manchen Stellen einen schärferen Ton gegen die alten und neuen Feinde der Demokratie in Polen, Ungarn, der Türkei, Russland, den USA oder Deutschland gewünscht hätte.

    Die Frage, ob ein Verband eine solche inhaltliche Aussage für seine Mitglieder und “das Fach” im Allgemeinen machen sollte, ist hier bereits ausführlich diskutiert worden. Daher möchte ich den Blick eher auf einen anderen Aspekt lenken. Meines Erachtens zeugt der Versuch einer kleinen Gruppe, einen neuen Historikerstreit vom Zaun zu brechen, eher von der grundlegenden Unzufriedenheit mit dem politischen Klima in der Bundesrepublik, deren liberaler Grundausrichtung und Weltoffenheit sowie den sich rasant verändernden gesellschaftlichen Verhältnissen.

    Dieser Versuch, den ich nicht “neokonservativ”, sondern “scheinpopulistisch” nennen möchte, ist selbstverständlich legitim, hat es doch auch in Zeiten der Bonner Republik immer wieder – zurecht oder zu Unrecht – marginalisierte Strömungen gegeben, die etwa ihre Schwierigkeiten mit der Westbindung, der fortschreitenden Entkirchlichung oder den sich wandelnden Geschlechterverhältnissen hatten. Ich persönlich werde mich im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten einem solchen Roll-back immer entgegenstellen, aber das sei hier nur am Rande vermerkt.

    Es trifft zweifellos zu, dass die überbordende “political correctness” der letzten Jahrzehnte ihren Anteil daran hatte, dass bestimmte Positionen nicht mehr in einer Form geäußert werden konnten, die ihnen von ihrer Bedeutung vielleicht zugestanden hätte. Hier könnte man nun mit der Bemerkung schließen, dass sich in dieser Frage nun wohl eine Art “Besserung” abzeichnet. Ganz so einfach ist es jedoch nicht.

    Was sich im Vergleich zu früheren Debatten nämlich verändert hat, ist die Diskussionskultur. Die sozialen Medien haben sicherlich dazu beigetragen, Auseinandersetzungen zu beschleunigen und zuzuspitzen. Leider führt das Posten auf Facebook und Twitter aber auch zu einer Verkürzung der Reaktionszeiten. Damit einher geht zwangsläufig eine stärkere Emotionalisierung, die sich in der verwendeten Sprache widerspiegelt. Insbesondere persönliche Angriffe sind fast schon zur Regel geworden. Dies alles ist wohlbekannt und füllt als Thema eine Reihe von Talkshows. Neu ist aber, dass durchaus ernstzunehmende Wissenschaftler – es ist kein Zufall, dass sich unter diesen Alphatieren kaum Frauen befinden – in einen Tonfall übergegangen sind, den man bisher eher in anderen Bereichen der Gesellschaft vermutet hatte. Interessanterweise bleiben dabei inhaltliche Argumente oft entweder ganz auf der Strecke oder werden nur in verkürzter Form geäußert. Der öffentliche Raum wird wieder zum Schulhof, auf dem unter Anfeuerungsrufen der buddies virtuelle Faustkämpfe ausgetragen werden. Und selbstverständlich gibt es keinen herrschaftsfreien Raum, sondern es geht um nicht mehr und nicht weniger als die Deutungshoheit über Geschichte.

    Dies alles könnte man als normale, oftmals generationell bedingte und ritualisierte Auseinandersetzungen verstehen, wie es sie immer gegeben hat. Wirtschaftliche Erwägungen schwer angeschlagener Tageszeitungen spielen hier diesmal sicher auch eine Rolle. Wie wäre es aber, wenn Historikerinnen und Historiker das, was sie in Forschung und Lehre immer wieder postulieren, auch ein Stück weit auf sich selber anwenden und ihr eigenes Verhalten stärker hinterfragen und kontextualisieren würden? Klare Positionen, die zum Streiten anregen, sind dabei ja sinnvoll und wünschenswert. Die Kunst des Zuhörens und die Suche nach Kompromissen sollten dabei freilich nicht gänzlich verlorengehen, denn eine Militarisierung der Diskurse schadet letztlich allen.

    Dieses BlogJournal ist kein Tummelplatz für Feen, ich würde mir zum Abschluss aber dennoch wünschen, dass hier zum Beispiel eine vertiefte kulturwissenschaftliche Debatte über die meiner Meinung nach unzutreffende Bewertung der Thesen Rosi Braidottis durch Jörn Rüsen zustande käme.

  11. To all our non-German speaking readers we recommend the automatic DeepL-Translator. Just copy and paste.

    Ralf Behrwald hat Recht: Es wäre nicht gut, wenn im VHD parteipolitische Zuordnungen eine wesentliche Rolle spielten. Ob das in der Vergangenheit immer befolgt wurde, möchte ich allerdings bezweifeln. Ich habe eher den Eindruck, dass es ab den 1980er Jahren eine Art stillschweigendes Rotationsprinzip zwischen “rechts” und “links” gab, wobei auf die Gesamtgeschichte des Verbandes bezogen die “rechten” Historiker stets in der Überzahl waren. Sie haben sich auch nie geniert, politisch einzugreifen oder sich sehr direkt zu äußern (denken wir nur an Gerhard Ritter!). Sogar auf den ersten Blick rein professionelle Statements der Vorsitzenden oder Vorstände hatten oft einen politischen Hintergrund und/oder Effekt, der in die eine oder andere Richtung gehen konnte. Dasselbe gilt für die Einladungspolitik bei Historikertagen. Ich erinnere nur an den Konflikt im Jahr 1994, als Herr Gall den damaligen CDU-Bundeskanzler trotz Wahlkampf-Kontext zur Eröffnungsrede einladen wollte und erst auf den Protest vieler Kollegen hin (u.a. Reinhart Koselleck) einen quasi-neutralen Redner einlud (nämlich Wolf Lepenies). Doch dass etwa ein Eric Hobsbawm (oder ein anderer Marxist) als Eröffnungs- oder Schlussredner zu einem Historikertag eingeladen würde, war immer undenkbar.

    Eine hundertprozentige Neutralität des VHD hat es also nie gegeben. Er war vielmehr jahrzehntelang ein rechtslastiger Verband mit vielen erheblich “verstrickten” Mitgliedern (sogar ehemaligen Mitgliedern von SS-Einsatzgruppen). Eine vollständige Neutralität kann es realistischerweise auch nicht geben. Aber man kann sich immerhin um demokratische Fairness und liberale Umgangs- und Diskussionsformen im traditionellen Sinne bemühen. Dabei wird man mit ein paar Konflikten wohl leben müssen. Mitgliederversammlung (MV) und Vorstand spiegeln eben das Meinungsspektrum des Verbandes wider, bzw. des interessierten Teils des Verbandes, der sich zu den MVs bemüht. (Inwiefern daher auch briefliche Vorstandswahlen, wie in den USA, sinnvoll sein können, wäre zu diskutieren. Im Zeitalter des Internets wären elektronische Abstimmungen jedenfalls leicht zu organisieren.)

    Die Kritiker der Münsteraner Resolution schreiben, der VHD müsse ein “Berufsverband” sein und bleiben. Aber ergibt sich daraus schon die erwähnte Neutralität? Denn ein Berufsverband könnte ja auch ein Kampfverband für die Interessen der Berufsgruppe sein, also eine Art Gewerkschaft. Wenn man den VHD betrachtet, so hat er erst spät (unter einem “linksliberalen” Vorsitzenden?) angefangen, die Berufsgruppe der Historiker*innen, und das heißt nicht zuletzt die jüngeren, noch nicht beruflich abgesicherten Kolleg*innen, ernst und wichtig zu nehmen. Zuvor war der Tenor eigentlich immer: Nur Professor*innen sind vollgültige Zunftmitglieder. Sogar Habilitierte wurden jahrzehntelang als “junge Historiker” eingestuft, die sich auf Historikertagen lediglich “vorstellen” durften.

    Gottseidank sind diese Zeiten vorbei. Doch vielleicht gibt es manche, die schon darin eine “Verschiebung nach links” sehen und sich nicht mehr hinreichend “vertreten” fühlen? Auch das Übergewicht der Neuzeit- bzw. der Zeigeschichte, ist für manche sicher ein Problem. Aber gilt nicht Ähnliches auch für die Universitäten? Ob es einem gefällt oder nicht, das Fach verändert sich rasant, und zwar in allen westlichen Ländern. Wer da von einem zu zahlenden “Preis” oder gar von “Spaltung” redet, sollte – und genau das meinte ich mit meinem Einwurf auf Twitter am 25.10.18: “Warum legen die Kritiker ihre alternativen Karten nie auf den Tisch?” (@PSchottler) – einmal offen aussprechen, wie er sich die Zukunft des VHD und der Historiker*innentage anders vorstellt. Vielleicht wird es dann tatsächlich “politisch”, denn die neue Rechtsentwicklung in der Bundesrepublik und die massive Präsenz von Xenophob*innen und Rassist*innen im Bundestag und in den Länderparlamenten mit allem, was daraus folgt, auch für Universitäten und öffentlich-rechtliche Medien und Institutionen (die ja bis zu einem gewissen Grad durch die Parlamente kontrolliert werden), hat die ganze Landschaft radikal verändert, und es fängt gerade erst an.

    Das hat natürlich nichts mit “Aufschaukelung” von Rechts und Links zu tun, wie Herr Hoeres meint, sondern hat viel breitere, europaweite Ursachen, deren Folgen allerdings in Deutschland besonders brisant sind und deshalb weltweit wahrgenommen werden. Dazu können Historiker*innen im Jahr 2018 nicht schweigen (oder ihre Stellungnahme auf 2020 verschieben). Das ist der Kern der Münsteraner Resolution, und auch wenn ich nicht anwesend war, unterstütze ich diese These uneingeschränkt. Und das obwohl meine allererste Reaktion auf Twitter, nach der Lektüre von Patrick Bahners’ Artikel in der FAZ vom 29.9.18, durchaus zurückhaltend war. Im üblichen Telegrammstil schrieb ich dort: “Ja, es gilt zu bedenken: ‚L’histoire qui sert, c’est une histoire serve’ (Lucien Febvre 1920) Oder gibt es vielleicht Ausnahmen?”
    Doch genau eine solche epistemologische Ausnahme scheint mir hier zu gelten. (Insofern stimme ich auch mit Jörn Rüsens Beitrag ganz überein.) Im konkreten Fall kann jedenfalls von einer Indienstnahme der Geschichtswissenschaft keine Rede sein. Nicht die in Münster Versammelten haben die Geschichte “politisiert” und instrumentalisiert, sondern unsere eigene Zeitgeschichte hat sich politisch derart beschleunigt und zugespitzt, dass kein*e deutsche*r Nachkriegshistoriker*in, der/ie ein kritischer Zeitgenosse sein will, dazu einfach schweigen kann. Hic Rhodus, hic salta, gilt jetzt auch für uns.

    Im Übrigen erinnert mich dieser Vorwurf der “Spaltung” (etwa bei Ralf Behrwald oder Peter Hoeres) an eine Episode auf dem Frankfurter Historikertag von 1998. Ich hatte im Vorfeld einen Antrag an die MV des VHD gestellt, künftig einen Preis mit den Namen “Hedwig Hintze” auszuloben. Viele Kolleg*innen, darunter große Namen, hatten mich brieflich ihrer Unterstützung versichert; ein paar allerdings hatten sich auch vornehm verweigert. In Frankfurt selbst nahmen mich dann zwei Vorstandsmitglieder, Johannes Fried und Otto Gerhard Oexle, nach der ersten MV beiseite, um mich eindringlich aufzufordern, meinen Antrag zurückzuziehen. Denn allzu deutlich hätten einige Konservative ihre Ablehnung geäußert. („Wer ist überhaupt diese Frau?“, meinte damals Herr Gall, „offenbar nur eine Privatdozentin!“). Wörtlich sagte mir deshalb Herr Oexle: “Sie spalten damit den Verband. Wollen Sie, dass wir so enden wie die Politologen?” Und geradezu einschüchternd fügte er noch hinzu: “Sie sind schon isoliert, damit isolieren Sie sich noch mehr!”
    Glücklicherweise traf ich kurz danach auf den Gängen meinen Lehrer Hans Mommsen, der schon seit Jahren nicht mehr zu diesen Mitgliederversammlungen ging, weil dort nur “Honoratioren” säßen; er gab mir sofort den Rat: “Nicht zurückziehen!” Auf der sog. zweiten MV ist der Antrag dann mit breiter Mehrheit verabschiedet worden, und zu einer Spaltung des Verbandes ist es selbstverständlich nicht gekommen.

    Kurzum, mir scheint, dass der Preis für ein Schweigen der deutschen Historiker*innen in der gegenwärtigen Situation sehr viel höher ausgefallen wäre, als wir ihn jetzt für eine Diskussion, meinetwegen auch für eine Kontroverse, zu zahlen haben, die letzten Endes nur unsere historisch-politische Wachsamkeit erhöhen dürfte.
    Und das finde ich gut.

  12. Editorial Notice / Redaktionelle Anmerkung:

    Am 10. Januar 2019 fand in Düsseldorf ein #GTS7000-Live-Talk zur Bilanzierung der Diskussion um die VHD-Resolution 2018 statt.

    Teilgenommen haben Paula-Irene Villa (LMU München), Eva Schlotheuber (VHD), Patrick Bahners (FAZ), Achim Landwehr (Düsseldorf) und ich, moderiert hat Georgios Chatzoudis (Gerda Henkel Stiftung).

    Man geht wohl nicht völlig fehl, wenn man es einmal zur Prüfung empfiehlt, ob mit dem Abstand einiger Wochen hier nicht auch Fortschritte der Erkenntnis gesprächsweise entwickelt werden konnten.

    Die Diskussion kann auf der L.I.S.A.-Seite fortgesetzt werden. Dieser Thread hier wird demnächst wie üblich in unserem BlogJournal geschlossen.

    Zu finden ist ein redigierter Mitschnitt der Diskussion bei –> Portal L.I.S.A. (Gerda Henkel Stiftung)

    Den gleichen Mitschnitt findet man auch –> auf dem YouTube-Channel von #GTS7000

    —————————-

    On 10 January 2019, a #GTS7000 live talk took place in Düsseldorf to take inventory of the discussion on the VHD Resolution 2018.

    Participants were Paula-Irene Villa (LMU Munich), Eva Schlotheuber (VHD), Patrick Bahners (FAZ), Achim Landwehr (Düsseldorf) and myself, moderated by Georgios Chatzoudis (Gerda Henkel Foundation).

    One does not go probably completely wrong, if one recommends it for once to the test, whether with the distance of some weeks here some progress of realization could be developed talk-wise.

    The discussion can be continued on the L.I.S.A. website, just below the video. This thread here will soon be closed as usual in our BlogJournal.

  13. See an English-speaking version of the comment below this one.

    Autorenantwort

    Es wird Zeit, dieses Posting zu schließen. Viel ist inzwischen über die Resolution des Historikerverbands gesagt und geschrieben worden, Weiteres steht bevor, aber die Karawane zieht weiter und wendet sich anderen Fragen zu.
    Die Resolution kam ordnungsgemäß zustande.

    Andreas Körber hat das als Nicht-Anwesender in wünschenswerter Klarheit formuliert. Konsenszwang oder Kaderpolitik, wie verschiedentlich behauptet wurde, waren nicht am Werk. Sogar über die Frage, ob über die Resolution öffentlich oder geheim abzustimmen sei, wurde abgestimmt (Thomas Stamm-Kuhlmann erinnert zu Recht an dieses nicht unwichtige Detail); eine fast einstimmige Mehrheit sprach sich für Offenheit aus.

    Ich möchte einige inhaltliche Anmerkungen machen und einige zu Form und Stil der Auseinandersetzung. Jörn Rüsen hat mit seiner Frage, warum das Gros der Geschichtswissenschaft über Identität in einem Modus verhandelt, der Kritikern von Rechtsaußen Steilvorlagen gibt, einen wunden Punkt berührt. Ich kann Rüsen nicht in jeder Hinsicht folgen, aber die Kritik lässt sich nicht leicht aus der Welt schaffen. Zu viel Postnationalismus und zu wenig Humanismus in der deutschen Geschichtswissenschaft? Wenn dem so wäre, was wäre dann Liberalismus, was wäre die Mitte, von der aus sich Linkssein bestimmen ließe?

    Wenzel Seibold wirft solche Fragen zu Recht auf. Er wirft mir indes vor, die Mitgliedschaft des VHD als „linksliberal“ vereindeutigt und damit ohne Not essentialistische Angriffsflächen geboten zu haben. Diesen Vorwurf muss ich an solche Kritiker zurückreichen, die „linksliberal“ und „Juste Milieu“ abwertend verwendet haben. Das Juste Milieu des VHD war jahrzehntelang konservativ – Peter Schöttlers Erinnerungen sind diesbezüglich sehr instruktiv – und soll es, folgt man manchen Kritikern der Verbandspolitik, auch wieder werden. Ein deutliches Bekenntnis zur Demokratie sollte jedoch selbstverständlich sein, nicht linksliberal. Denn die Geschichtswissenschaft braucht die Demokratie wie die Luft zum Atmen. Darauf wollte ich aufmerksam machen; das war der Kern und Zweck der Resolution.

    Ralf Behrwald missversteht bewusst meine empirische Aussage, die im VHD organisierte Historikerschaft sei linksliberal, als normativ, und wirft mir vor, den Verband ‚kapern‘ zu wollen. „Das Ziel ist nicht die Überzeugung, seit Münster geht es um einen hegemonialen Diskurs. Hier werden Grenzen gezogen.“ Das sind kühne Behauptungen ohne Beleg, und es mag jede Leserin, jeder Leser selbst entscheiden, wie viel hegemoniales Bestreben in solchen Unterstellungen steckt.

    Wolfgang Eckart hat auf die Wahlverwandtschaft zwischen der scharfen Polemik von Patrick Bahners und weiteren FAZ-Beiträgern einerseits, Diffamierungen von weit rechts andererseits aufmerksam gemacht. Es hätte der Debatte gutgetan, die Bezugsebenen zu definieren und einzuhalten. Wäre der Streit, wie schon angedeutet, in der Sprache der Geschichtswissenschaft um ihre öffentliche Aufgabe, ihre Kompetenzen und Grenzen, geführt worden, so hätte es diese fatalen Koalitionsbildungen nicht gegeben.

    Wäre die Resolution ein Versuch gewesen, den VHD mit undemokratischen Mitteln von links zu politisieren, wie einige Kritiker behaupteten, so wäre sie – besser gewesen, besser im Sinne der Ausgewogenheit, besser im Sinne der Adressierung, besser im Sinne der Rhetorik. Die Kritik, die Geschichtswissenschaft überhebe sich mit ihren generellen Aussagen über die positiven Auswirkungen der Migration und die Schwächen nationalstaatlicher Politik, ist nicht leicht von der Hand zu weisen.

    Wäre die Kritik so sachlich vorgetragen worden wie von Andreas Frings, nicht in jenem kränkend-vorschnellen Ton, der im Gefolge der Sozialen Medien Einzug in die politische Auseinandersetzung gehalten hat, so hätte man über sie offen diskutieren können. Das ist unterblieben, auf diesen Seiten und, soweit ich sehe, auch andernorts. Frings‘ Appell, darüber zu streiten, was die Geschichtswissenschaft qua fachlicher Expertise kann und was nicht, verhallte ungehört.

    Andernorts schallte es umso lauter. Ich habe die irrwitzigsten Unterstellungen von links (bei früherer Gelegenheit) wie von rechts (durch meine Verteidigung der VHD-Resolution) auf Facebook und andernorts erleben müssen. Der Ton solcher Angriffe ist in Teilen völlig inakzeptabel, auch wenn er unterhalb einer öffentlich wahrnehmbaren Ebene bleibt. Unter dieser Oberfläche liegt ein stetig wachsender Eisberg von Ressentiments, Beschimpfungen und dergleichen. Freund-Feind-Verhältnisse werden mit der größten Selbstverständlichkeit hergestellt und bleiben selbstverständlich nicht folgenlos für die Kontrahenten.

    Markus Krzoska hat auf diesen Aspekt, neben anderen, zu Recht hingewiesen. Die Beschleunigung der Diskussion ist nicht nur ein quantitatives, sondern auch ein qualitatives Phänomen. Man kann daher nicht gut so tun, als gebe es die Welt von Facebook und Twitter nicht. Nach meiner Wahrnehmung tun sich viele Kolleginnen und Kollegen schwer mit der Digitalisierung der Debattenkultur. Es gibt Berührungsängste, Befürchtungen eines zu großen Zeitaufwands, sicher auch eine gewisse Hochnäsigkeit gegenüber den Niederungen der Sozialen Medien. Zu wenige Historikerinnen und Historiker nehmen die Chance wahr, durch Postings Diskussionen anzustoßen oder mitzubestimmen. Ich finde das bedauerlich.

    Die Resolution des VHD war nicht der Auftakt zu einem neuen Historikerstreit, so sehr auch mancher Journalist sich dies gewünscht haben mag und so sehr beide Debatten einander jedenfalls in dem Punkt ähneln, dass nicht über die Geschichte als Erfahrungstatsache, sondern über Deutungen gestritten wurde. Vor drei Jahrzehnten ging es jedoch um den Umgang der Bundesrepublik mit der NS-Vergangenheit. Letztes Jahr ging es um den Umgang der verbandlich organisierten Geschichtswissenschaft mit Angriffen auf die Grundlagen ihres professionellen Handelns, vornehmlich, aber keineswegs nur von rechts.Die heute reflektierte „Zeitgeschichte“ ist die erlebte Bedrohung der Grundlagen unseres fachlichen Tuns, wie Schöttler hervorgehoben hat.

    In Kürze wird der VHD eine Podiumsdiskussion über die Demokratie-Resolution in Berlin durchführen. Ich begrüße das und würde mir wünschen, dass sich der Blick der Debatte dort nach innen, auf den Verband selbst, richtet. Was immer man über die Resolution des Verbands zur Gefährdung der Demokratie sagen mag, eines scheint mir überdeutlich zu sein: Es war gut, sie zu verabschieden, weil sie die Frage nach der Relevanz der Geschichtswissenschaft in der gegenwärtigen politischen Situation aufgeworfen und, so möchte ich annehmen, viele Historikerinnen und Historiker dazu bewegt hat, ihre eigene Position zu bestimmen, öffentlich oder still am eigenen Schreibtisch.

    Streit ist gut, wenn er in demokratischen Formen ausgetragen wird. Streit kann auch dazu dienen, untergründige Polarisierungen sichtbar zu machen. Die Schärfe der Angriffe auf die Resolution hat mich überrascht – und von ihrer Notwendigkeit vollends überzeugt.

  14. See a German-speaking version of this comment above this one.

    Author’s Reply

    It’s time to close this posting. Much has now been said and written about the historians’ association’s (VHD) resolution, more is to come, but the caravan is moving on and turning to other issues.

    The resolution was duly passed. Andreas Körber, as an absentee, has formulated this with desirable clarity. The compulsion to reach a consensus or cadre policy, as has been claimed on several occasions, were not at work. Even the question of whether to vote on the resolution publicly or secretly was put to the vote (Thomas Stamm-Kuhlmann rightly recalls this not unimportant detail); an almost unanimous majority was in favor of openness.

    I would like to make some comments on the content and some on the form and style of the debate. Jörn Rüsen has touched on a sore point with his question as to why most historians negotiate identity in such a way that critics of right-wing extremists can utilize steep draft. I can’t follow Rüsen in every respect, but his critique is not easy to get out of the world. Too much Post-nationalism and too little humanism in German historical sciences? If that were so, what would liberalism be, what would be the center from which leftism could be determined?

    Wenzel Seibold rightly raises such questions. However, he accuses me of having unambiguated the membership of the VHD as “left-liberal” and thus without necessity offered essentialist attack surfaces. I must pass this reproach back to those critics who used “left-liberal” and “juste milieu” in a derogatory manner. The juste milieu of the VHD was conservative for decades – Peter Schöttler‘s memories are very instructive in this respect – and, according to some critics of the association’s policy, should become so again. But a clear commitment to democracy should be self-evident, not left-wing liberal. History needs democracy like the air to breathe. I wanted to draw attention to that; that was also the core and purpose of the resolution.

    Ralf Behrwald deliberately misunderstands my empirical statement that the historians participating in the VHD resolution process are left-liberal, as normative, and accuses me of wanting to ‘capture’ the association. “The goal is not the conviction, since Münster it is about a hegemonic discourse. Here borders are drawn.” These are bold assertions without evidence, and every reader may decide for him- or herself how much hegemonic endeavor there is in such insinuations.

    Wolfgang Eckart has drawn attention to the elective affinity between the sharp polemics of Patrick Bahners and other FAZ contributors on the one hand, and defamations from far right on the other. It would have done the debate good to define and adhere to the reference levels. If the dispute had been conducted, as already indicated, in the language of historical science about its public task, its competences and limits, these fatal coalitions would not have been formed.

    If the resolution had been an attempt to politicize the VHD with undemocratic means from the left, as some critics claimed, it would have been – better, better in the sense of balance, better in the sense of addressing, better in the sense of rhetoric. It is not easy to dismiss the criticism that historical scholarship exceeded its authority with its general statements about the positive effects of migration and the weaknesses of nation-state politics.

    If this criticism had been presented as unagitatedly as by Andreas Frings, not in that offendingly hasty tone that has found its way into the political debate in the wake of Social Media, it could have been discussed openly. That has been omitted, on these pages and, as far as I can see, elsewhere as well. Frings’ appeal to argue about what history can and can’t do with professional expertise went unheard.

    Elsewhere things sounded all the louder. I had to experience the most crazy insinuations from the left (on earlier occasions) and from the right (through my defense of the VHD resolution) on Facebook and elsewhere. The tone of such attacks is in parts totally unacceptable because it remains below a publicly perceivable level. Below this surface lies a steadily growing iceberg of resentment, abuse and the like. Friend-enemy relationships are established with the greatest self-evidence and naturally do not remain without consequences for the opponents.

    Markus Krzoska has rightly pointed out this aspect, among others. The acceleration of the discussion is not only a quantitative, but also a qualitative phenomenon. It is therefore not very wise to pretend that the world of Facebook and Twitter does not exist. As I see it, many members of the VHD find it difficult to participate in a digitized debate culture. There are fears of contact, fears that too much time will be wasted, and certainly a certain snootiness towards the lowlands of the social media. Too few historians seize the opportunity to initiate or participate in discussions through postings. I find that regrettable.

    In any case, the VHD resolution was not the prelude to a new historian’s quarrel (Historikerstreit), however much many a journalist may have wished for it and however much both debates resemble each other in that they did not argue about history as a fact of experience, but about interpretations. Three decades ago, however, the issue was how the Federal Republic of Germany dealt with the Nazi past. Last year it was about the handling of history organized by associations with attacks on the bases of their professional action, primarily, but by no means only from the right. The “contemporary history” reflected today is the experienced threat to the foundations of our professional activity, as Schöttler emphasized.

    The VHD will shortly be holding a panel discussion on the Democracy Resolution in Berlin. I welcome this and hope that the debate there will look inwards at the association itself. Whatever one may say about the association’s resolution on the threat to democracy, one thing seems abundantly clear to me: it was good to adopt it because it raised the question of the relevance of historical scholarship in the current political situation and, I would like to assume, it persuaded many historians to determine their own positions, publicly or quietly at their own desks.

    Dispute is good when it is carried out in democratic forms. Dispute can also serve to make underground polarizations visible. The severity of the attacks on the resolution surprised me – and completely convinced me of its necessity.

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