Support and Censorship: Research on Minorities in the GDR

Fördern und zensieren: Minderheitenforschung in der DDR

Abstract:
This article deals with the legitimizing functions of historiography in the context of minorities policy in the former GDR. In dealing with the Sorbian minority, the socialist regime strived early on for interpretive sovereignty over collective memory and oblivion. Using the example of the four-volume “Geschichte der Sorben” (published between 1974 and 1979), this article illumes the research and publication conditions at the time, as well as the instruments and patterns used to exercise ideological control and censorship.
DOI: dx.doi.org/10.1515/phw-2022-19996.
Languages: German, English



Zwischen 1974 und 1979 erschien im Bautzener Domowina-Verlag eine “Geschichte der Sorben” in vier Bänden. Es war die erste von Fachwissenschaftler:innen für ein breites Publikum aufbereitete Gesamtdarstellung der sorbischen Geschichte vom Frühen Mittelalter bis in die Gegenwart. Im Ringen der Sorben um gesellschaftliche Wahrnehmung und Anerkennung als nationale Minderheit stellt das Werk einerseits einen Meilenstein dar. Andererseits war es erklärtermaßen ein Instrument realsozialistischer “Geschichtspropaganda”, die kategorisch unter ideologischen Gesichtspunkten filterte und zensierte, was Teil der kollektiven Meistererzählung sein durfte und was nicht.

“Wie ich mein Vaterland fand”

Anfang Februar 1950 empfing Wilhelm Pieck, das Staatsoberhaupt der erst vier Monate zuvor gegründeten DDR, in seinem Amtssitz auf Schloss Schönhausen eine 19-köpfige sorbische Delegation. Feierlich zelebrierten der Präsident und die Vertreter:innen des sorbischen Volkes die symbolische Versöhnung von Staat und Minderheit und versicherten sich ihrer gegenseitigen Achtung und Unterstützung. Der Schriftsteller Jurij Brězan, Mitglied der Delegation, verarbeitete die Begegnung als politisches Erweckungserlebnis in dem Gedicht “Wie ich mein Vaterland fand” (1951), das mit dem pathetischen Bekenntnis schließt: “Ich hab es gefunden – / mein – / ja, mein Vaterland!”[1]

Brězans Lobrede auf den fürsorglichen Pieck (“ein Mensch! […] wie mein Vater”) und “unsere Republik” war Pflichtlektüre in den sorbischen Schulen der DDR. Das Gedicht verknüpft die Biografie des Verfassers mit der Geschichte seines Volkes, das Frieden, Freiheit und Gleichberechtigung erst im “Arbeiter- und Bauernstaat” habe finden können. Zwar wird Brězan 1964 in einem unveröffentlichten “Antigedicht”[2] deutliche Enttäuschung über einige politische Entwicklungen in der DDR erkennen lassen. Gleichwohl hatte er als hochausgezeichneter Künstler und Vizepräsident des Schriftstellerverbandes der DDR bis 1989 eine Schlüsselposition in “seinem Vaterland” inne.

Minderheitenpolitik in der DDR

Wie unter einem Brennglas spiegelt sich in diesem Spannungsbogen die Widersprüchlichkeit der Situation der Sorben in der DDR zwischen Förderung und Instrumentalisierung, Anpassung und Abgrenzung.[3] In völliger Abkehr von der bisherigen Staatstradition wurde hier anfangs eine ausgesprochen progressive Minderheitenpolitik auf den Weg gebracht, um die seit dem 19. Jahrhundert schwelenden nationalen Spannungen in der zweisprachigen Lausitz zu befrieden und die Sorben für den Sozialismus zu gewinnen. Mit dem bereits 1948 erlassenen “Gesetz zur Wahrung der Rechte der sorbischen Bevölkerung” garantierte erstmals in der Geschichte ein deutscher Staat den Sorben ausdrücklich das Recht auf Schutz und Förderung ihrer Sprache und Kultur. Auf dieser Grundlage entwickelte sich in den 1950er Jahren eine umfassende, staatlich geförderte Infrastruktur sorbischer Institutionen, wie es sie nie zuvor gegeben hatte: Schulen, Museen, Theater und weitere Bildungs- und Kultureinrichtungen, Medien, Forschungsinstitute sowie Verwaltungsorgane und Amtsstellen wurden gegründet, um die Sorben im “Arbeiter- und Bauernstaat” möglichst umfassend zu beheimaten – und sie ihrer traditionellen Obhut, namentlich der “bürgerlichen” Nationalbewegung und den Kirchen, zu entziehen.

Der Preis dieser Politik bestand freilich in ihrer bedingungslosen ideologischen Unterordnung unter die Vorgaben der herrschenden Diktatur.[4] Zum “Transmissionsriemen der SED” avancierte der nationale Dachverband der Sorben, die Domowina.[5] Sie vertrat die Interessen des Staates gegenüber der sorbischen Bevölkerung und leistete verlässliche propagandistische Unterstützung auch bei solchen Vorhaben, die der Minderheit zum Nachteil oder sogar zum Schaden gereichten, wie den Kampagnen gegen die Kirchen, der Kollektivierung der Landwirtschaft, der Einschränkung des zunächst eingeführten obligatorischen Sprachunterrichts in den Schulen oder der Intensivierung des Braunkohletagebaus inmitten des sorbischen Siedlungsgebietes.

“Volk in Ketten”

Die tiefgreifenden Widersprüche der Sorbenpolitik in der DDR erzeugten einen anhaltenden Legitimationsaufwand auf Seiten derjenigen, die sie Tag für Tag zu vertreten und umzusetzen hatten. Dabei spielte einerseits die Verbesserung der materiellen Lebensbedingungen eine wichtige Rolle.[6] Doch da die Realität des Realsozialismus den Wohlstandsversprechen der Partei in weiten Teilen hinterherhinkte, bedurfte es andererseits zusätzlicher ideeller Begründungen für deren Linie. Früh entwickelte sich daher die Geschichtspropaganda zu einem immanenten Handlungsfeld der staatlichen Minderheitenpolitik.[7]

1954 legte die Hauptabteilung Sorbenfragen beim Ministerium des Innern der DDR eine populärwissenschaftliche “Schriftenreihe über die Sorben” auf, die den instrumentellen Zugriff der Funktionäre auf die Geschichte deutlich offenbart.[8] “Volk in Ketten” lautet ein plakativer Titel dieser Reihe, die die Geschichte der Sorben als ein eintausend Jahre währendes Unrecht beschreibt, das erst mit der kommunistischen Machtübernahme in der SBZ/DDR überwunden worden sei. Dieses Narrativ verknüpfte Versatzstücke der älteren sorbischen Historiographie mit dem deterministischen Geschichtsmodell des Marxismus-Leninismus und lief teleologisch auf die Überwindung aller nationalen und Klassenkonflikte in der DDR hinaus. Oberflächlich war die Geschichte der Sorben damit in das Metanarrativ des “Arbeiter- und Bauernstaates” integriert.[9]

Die wissenschaftliche Legitimation dieser Erzählung sollte das Institut für sorbische Volksforschung in Bautzen liefern.[10] 1951 als außeruniversitäre Forschungseinrichtung gegründet, arbeitete es ab 1952 unter dem Dach der Deutschen Akademie der Wissenschaften an der systematischen Erforschung von Sprache, Geschichte und Kultur der Sorben. 1962 nahm das Bautzener Institut die Arbeit an der ersten mehrbändigen Gesamtdarstellung der sorbischen Geschichte in Angriff.[11] Über anderthalb Jahrzehnte forschten und schrieben mehr als ein Dutzend Wissenschaftler:innen an dem anfangs auf drei, später vier Bände konzipierten Projekt. 1974 ging der erste, 1979 der letzte Band der in zwei Sprachen veröffentlichen “Geschichte der Sorben”, sorbisch “Stawizny Serbow” (im Folgenden: GdS) in den Druck.[12]

Die “Geschichte der Sorben”

Mit einem Gesamtumfang von gut 1.200 Seiten, reichlich 400 Illustrationen und 13 Karten sowie einer Auflagenhöhe von pro Band 5.000 (deutschsprachige Ausgabe) bzw. 1.000 (sorbischsprachige Ausgabe) Exemplaren gehört die GdS zu den aufwändigsten sorabistischen Publikationen der DDR-Zeit.[13] Die propagandistische Bedeutung dieses Werkes lässt sich überdies an der enormen politischen Aufmerksamkeit ablesen, die das Projekt von Beginn an begleitete. Die Abteilung Wissenschaften beim ZK der SED befürwortete Ende 1963 die Aufnahme der GdS in den Zentralen Forschungsplan der Gesellschaftswissenschaften der DDR. Sie reihte sich damit neben solch große Prestigevorhaben der realsozialistischen Geschichtsschreibung wie die achtbändige “Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung”, die “Deutsche Geschichte in drei Bänden” oder den “Grundriss der deutschen Geschichte” ein.[14] 1970 ordnete das Ministerium für Kultur den Domowina-Verlag in Bautzen an, die GdS sowie alle sie vorbereitenden und flankierenden Publikationen mit erhöhter Priorität zu behandeln.

Bevor aus Manuskripten Bücher wurden, bedurfte es in der DDR einer sogenannten Druckgenehmigung durch die Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel beim Ministerium für Kultur der DDR. Dafür mussten die Texte ein aufwändiges Zensurverfahren in Form interner und externer Begutachtungen und “Klärungsprozesse” durchlaufen.[15] Das galt für die GdS wie für andere historische Fachliteratur auch.[16] Die Titeleien der vier Bände verschleiern, wie groß der Kreis der Personen tatsächlich war, der sich neben den Autor:innen in die Arbeit an diesem Werk einbrachte – oder eimischte. Was der Bautzener Historiker Jan Šołta, Leiter des “Autorenkollektivs”, in seinem Vorwort euphemistisch als “sozialistische Gemeinschaftsarbeit”[17] bezeichnete, war die weitreichende inhaltliche Einflussnahme und Kontrolle des Projekts durch eine Vielzahl von Akteur:innen: Kolleg:innen und Vorgesetzte aus dem Institut, der Akademie sowie von verschiedenen Hochschulen, Leitung und Lektorat des Domowina-Verlags, Funktionäre der Domowina sowie der Partei- und Staatsführung. Auch auf das Votum der Akademien der Wissenschaften Polens und der UdSSR wurde Wert gelegt.

Der “rote Faden”

Begutachtung und Zensur der Manuskripte für die GdS verliefen mehrstufig und nahmen mehrere Jahre in Anspruch.[18] Sie erfolgten sowohl unter wissenschaftlichen als auch unter politisch-ideologischen Gesichtspunkten. Zuweilen lassen sich beide Aspekte nicht ohne weiteres voneinander trennen. So fiel “Manuskript 1” des vierten Bandes der GdS (1973) bei den externen Gutachtern noch rundweg durch. Erst fünf Jahre und etliche Entwürfe, Diskussionen und Gutachten später hatte “Manuskript 3” (1978) schließlich eine Form erreicht, die alle Seiten zufriedenstellte und der Berliner Zensurbehörde zur Druckgenehmigung vorgelegt wurde.[19]

Dieses strapaziöse Zensur- und Genehmigungsprozedere war im Literaturbetrieb der DDR obligatorisch. Insbesondere Partei und Domowina nutzten die wiederholten Korrektur- und Überarbeitungsschleifen dafür, missliebige und nichtopportune Darstellungen in der GdS zu unterbinden – und der eigenen historischen Rolle mehr Glanz zu verleihen. Um jeden Zentimeter des “roten Fadens” (Siegfried Lokatis) der sorbischen Geschichte wurde heftig gerungen. Fest stand von vornherein allerdings, dass “die Gründung der DDR die entscheidende Wende und die Gestaltung des entwickelten gesellschaftlichen Systems des Sozialismus in der DDR den bisherigen Höhepunkt auch in der Geschichte der Sorben darstellt”.[20] Zur empirischen Untermauerung dieses Credos galt es, eine ganze Reihe Widersprüche zu glätten und divergente Befunde auszuräumen.[21]

Politische Großwetterlagen

Die “Harmonisierung” von empirischem Befund und ideologischem Axiom glich oft einem riskanten Drahtseilakt. Im Sommer 1968 kam es zu einem Eklat mit der Akademie der Wissenschaften. Autoren der GdS hatten in einem Konferenzband einen Aufsatz über die Rolle der Sorben in den “revolutionären Umwälzungen in der DDR” veröffentlicht.[22] Die Akademie warf ihnen vor, rückschrittliche Positionen der “kleinbürgerlichen” sorbischen Nationalbewegung verteidigt und die Linie der Arbeiterklasse und ihrer Partei nur unzureichend gewürdigt zu haben. Auf Anordnung der Akademie mussten die Auslieferung des Bandes umgehend gestoppt und die verbliebenen Exemplare vernichtet werden.[23]

Unvorhergesehene Veränderungen der “politischen Großwetterlage” erschwerten die Arbeit an der GdS zusätzlich. Wurde den Autoren des vierten Bandes im Dezember 1967 noch eindringlich geraten, die Ausführungen Walter Ulbrichts auf dem VII. Parteitag der SED (April 1967) in ihr Manuskript aufzunehmen,[24] war an solch eine Ehrerbietung nach dessen Entmachtung (Mai 1971) überhaupt nicht mehr zu denken. Stattdessen sollten nun “die historisch bleibende Leistung des VIII. Parteitages der SED” (Juni 1971) und diverse Referate Erich Honeckers eingearbeitet werden.[25] Wenige Wochen vor Einreichung des letzten Manuskripts beim Verlag erreichte die Autoren noch die “Empfehlung” des Akademie-Historikers Heinz Heitzer, die soeben im Handel erschienene “Geschichte der SED” (1978) zu berücksichtigen, das heißt an gebührender Stelle in den Text einzuflechten.[26] Eilig besorgten sich die Autoren das empfohlene Werk und ergänzten die geforderten Zitate.

Geschichte als Herrschaftsdiskurs

Im Spätsommer 1979, rechtzeitig zum 30. Jahrestag der Gründung der DDR, wurde der vierte und letzte Band der GdS veröffentlicht. Das in den vier Bänden entwickelte marxistische Meisternarrativ fasste die sorbischen Geschichte dezidiert “vom Standpunkt der Arbeiterklasse und ihrer revolutionären Weltanschauung” zusammen.[27] Auf der Strecke dieser “revolutionären Weltanschauung” blieben häufig jene Aspekte der sorbischen Geschichte, die nicht in die schematische Erzählung von Unterdrückung, Klassenkämpfen und Erlösung durch den Sozialismus passten. So wirft die GdS ein Schlaglicht auf die Techniken und Muster des “Herrschaftsdiskurses Geschichte” (Martin Sabrow) in der DDR.[28] Sie erfüllte in erster Linie legitimatorische Funktionen im Sinne der herrschenden Partei und ihrer Ideologie.

Die sozialistische Geschichtspropaganda verengte und verzerrte die sorbische Geschichte zu einem vorgeblich alle Zeiten und Zäsuren überdauernden Zustand der politischen, sozialen und nationalen Ausbeutung, Unterdrückung und Entrechtung des sorbischen Volkes durch die “herrschenden Klassen”. Ihre Ketten hätten die Sorben erst durch den Sieg “der deutschen Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei” sprengen können.[29] Auch in der GdS stößt man mitunter auf kaum nuancierte Porträts historischer Persönlichkeiten und Personengruppen, die wie Karikaturen wirken: der ausbeutende Adelige, der germanisierende Pfarrer, der recht- und besitzlose Leibeigene, der selbstlose Patriot, der kommunistische Held.[30]

Schon zehn Jahre nach ihrer Vollendung waren die vier Bände wieder überholt. Noch im Zuge des Umbruchs von 1989/90 setzte unter den Sorben auch eine Debatte über die GdS ein. Wenngleich sich nur wenige Stimmen für einen klaren Schnitt mit “ihrer Geschichte” aussprachen, fiel die Bewertung überwiegend ambivalent aus.[31] In Gänze makulieren wollte die GdS jedenfalls kaum jemand. Zu schwer wog ihre Bedeutung als bislang erste wissenschaftlich fundierte Gesamtdarstellung der sorbischen Geschichte, die nicht aus einer Position der Subalternität, sondern der formellen politischen Gleichberechtigung entstanden ist. Auch aus wissenschaftlicher Sicht stellen die vier Bände kein homogenes Ganzes dar, sondern ein Nebeneinander von zitierbaren, faktografisch brauchbaren sowie ideologisch komplett verdrehten Einschätzungen. Mit dem Abstand von einer Generation stellt die GdS inzwischen selbst eine Quelle zur sorbischen Geschichte im 20. Jahrhundert dar.[32]

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Literaturhinweise

  • Stone, Gerald. Slav Outposts in Central European History. The Wends, Sorbs and Kashubs. London et al.: Bloomsbury, 2016.
  • Pollack, Friedrich. “Geteilte Vergangenheit. Vorläufige Überlegungen zu Transkulturalität und Transnationalität in der Lausitzer Geschichtsschreibung”, in Einheit in Verschiedenheit. Kulturelle Diversität und gesellschaftliche Teilhabe von Minderheiten auf dem Prüfstand, eds. Elka Tschernokoshewa, Ines Keller, and Fabian Jacobs. Münster et al.: Waxmann, 2015, 105–135.
  • Carbonneau, Jean-Rémi. “La complétude institutionnelle des Sorabes de Lusace depuis l’unification des États allemands”, Politique et sociétés 36, no. 3 (2017): 15–45.

Webressourcen

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[1] “Sym namakał / swoju, / haj, swoju wótčinu!” Dazu Christian Prunitsch, Sorbische Lyrik des 20. Jahrhunderts. Untersuchungen zur Evolution einer Gattung (Bautzen: Domowina-Verlag, 2001), 186–187. Des Weiteren Dietrich Scholze, Jurij Brězan. Leben und Werk (Bautzen: Domowina-Verlag, 2016), 67–77.
[2] Prunitsch, Sorbische Lyrik, 188.
[3] Peter Schurmann, Die sorbische Bewegung 1945-1948 zwischen Selbstbehauptung und Anerkennung (Bautzen: Domowina-Verlag, 1998). Edmund Pech, Die Sorbenpolitik der DDR 1949-1970. Anspruch und Wirklichkeit (Bautzen: Domowina-Verlag, 1999). Michael Richter, Deutsche Parteien in der sorbischen Oberlausitz 1945-1953. Die politische Entwicklung in den zweisprachigen Kreisen nach dem Zweiten Weltkrieg (Bautzen: Domowina-Verlag 2017).
[4] Michał Nuk, Zatajena njeprawda. Politisce přesćěhani w Serbach mjez 1945 a 1989 [Verheimlichtes Unrecht. Politisch Verfolgte bei den Sorben zwischen 1945 und 1989] (Bautzen: Domowina-Verlag, 2004). Timo Meškank, Sorben im Blick der Staatssicherheit. Die Akten der K5 und des MfS der DDR 1949–1989 (Bautzen: Domowina-Verlag, 2016).
[5] Ludwig Elle, Die Domowina in der DDR. Aufbau und Funktionsweise einer Minderheitenorganisation im staatlich-administrativen Sozialismus (Bautzen: Domowina-Verlag, 2010).
[6] Edmund Pech, “Modernisierung und Migration. Konzeptionen für die zweisprachige Lausitz in der DDR vor dem Hintergrund des Braunkohlenbergbaus,” Neues Lausitzisches Magazin, 138 (2016): 115–130‎‎.
[7] Zur begrifflichen Klärung von “Geschichtspropaganda” im marxistisch-leninistischen Verständnis Marko Demantowsky, Geschichtspropaganda und Aktivistenbewegung in der SBZ und DDR. Eine Fallstudie (Münster/Hamburg/London: LIT-Verlag, 2000), 14–19. Dazu allgemein Ilko-Sascha Kowalczuk, Legitimation eines neuen Staates. Parteiarbeiter an der historischen Front. Geschichtswissenschaft in der SBZ/DDR 1945 bis 1961 (Berlin: Ch. Links Verlag, 1997). Martin Sabrow, Das Diktat des Konsenses. Geschichtswissenschaft in der DDR 1949–1969 (München: Oldenbourg, 2001).
[8] In der “Schriftenreihe über die Sorben” erschienen kurz nacheinander insgesamt sieben Hefte: Hans Brüchner, Die Geschichte der Sorben bis zum Verlust ihrer politischen Selbständigkeit (Bautzen: Nowa Doba, 1955) [Heft 1; http://digital.slub-dresden.de/id1676916210, letzter Zugriff am 15. Mai 2022]; Hans Brüchner, Ein Volk in Ketten. Ein Überblick über die Geschichte der Sorben vom Beginn unseres Jahrtausends bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, (Bautzen: Nowa Doba, 1955) [Heft 2; http://digital.slub-dresden.de/id1676916466, letzter Zugriff am 15. Mai 2022]; Kurt Krenz, Domowina. Die nationale Organisation der Lausitzer Sorben (Bautzen: Nowa Doba, 1954) [Heft 3; http://digital.slub-dresden.de/id1676919651, letzter Zugriff am 15. Mai 2022]; Jurij Handrik, Die Deutsche Demokratische Republik. Auch das Vaterland der Sorben (Bautzen: Nowa Doba, 1954) [Heft 4]; Paul Nedo, Sorbische Volkstrachten (Bautzen: Nowa Doba, 1954) [Heft 5; http://digital.slub-dresden.de/id1669211843, letzter Zugriff am 15. Mai 2022]; Pětr Malink, Die sorbische Literatur. Ein kurzer Überblick über ihre Entwicklung von den Anfängen bis zur Gegenwart, 2 Teile, (Bautzen: Domowina-Verlag, 1958–1959) [Heft 6-7].
[9] Dazu Sabrow, Diktat des Konsenses, 183-252. Konrad H. Jarausch, “Die DDR-Geschichtswissenschaft als Meta-Erzählung,” in Verwaltete Vergangenheit. Geschichtskultur und Herrschaftslegitimation in der DDR, ed. Martin Sabrow (Leipzig: Akad. Verl.-Anst., 1997), 19-34.
[10] Friedrich Pollack, “Das Sorbische Institut/Serbski institut in Bautzen und Cottbus. Geschichte und Profil einer interdisziplinären Forschungseinrichtung,” in Blätter für deutsche Landesgeschichte, 153 (2017): 417–429.
[11] Pětš Šurman, “Styrizwězkowy kompendium ‚Stawizny Serbow‘ – jogo pśedhistorija a realizacija.” [Das vierbändige Kompendium ‚Geschichte der Sorben‘ – Vorgeschichte und Umsetzung], Rozhlad, 69 (2019) 10: 30–33.
[12] Geschichte der Sorben/Stawizny Serbow. Bd. 1 (Anfänge bis 1789), Bd. 2 (1789–1917), Bd. 3 (1917–1945), Bd. 4 (1945 bis Gegenwart), ed. Institut für sorbische Volksforschung (Bautzen: Domowina-Verlag, 1974–1979).
[13] Zur publizistischen Bilanz des 1958 gegründeten sorbischen Verlags vgl. Ludowe Nakładnistwo Domowina/Domowina-Verlag. Bibliografija/Bibliografie 1958–2007 (Bautzen: Domowina-Verlag, 2008).
[14] Siegfried Lokatis, Der rote Faden. Kommunistische Parteigeschichte und Zensur unter Walter Ulbricht (Köln/Weimar/Wien: Böhlau, 2003). Martin Sabrow, “Planprojekt Meistererzählung. Die Entstehungsgeschichte des ‛Lehrbuchs der deutschen Geschichte’.”, in Geschichte als Herrschaftsdiskurs. Der Umgang mit der Vergangenheit in der DDR, ed. Martin Sabrow (Köln/Weimar/Wien: Böhlau, 2000), 227–286.
[15] Dazu umfassend Siegfried Lokatis, Verantwortliche Redaktion. Zensurwerkstätten der DDR (Stuttgart: Dr. Ernst Hauswedell oHG Verlag, 2019).
[16] Friedrich Pollack, “‛Do boja – zdar!’ NDRski system censury a serbski stawiznopis.” [‛Auf ins Gefecht!’ DDR-Zensursystem und sorbische Geschichtsschreibung], Rozhlad, 70 (2020) 1: 15–19. Vgl. auch Günter Hertel, “Die Zensur historischer Fachliteratur. Beispiele aus dem Lektorat Geschichte des Akademie-Verlags (1974–1987)”, in: Die Argusaugen der Zensur. Begutachtungspraxis im Leseland DDR, ed. Siegfried Lokatis und Martin Hochrein (Stuttgart: Dr. Ernst Hauswedell oHG Verlag, 2021), 667–681. Siegfried Lokatis, “Geschichtswerkstatt Zensur.”, in Geschichte als Herrschaftsdiskurs. Der Umgang mit der Vergangenheit in der DDR, ed. Martin Sabrow (Köln/Weimar/Wien: Böhlau, 2000), 175–225.
[17] Jan Šołta, “Vorwort zur Gesamtdarstellung”, in Geschichte der Sorben, Bd. 1 eds. Institut für sorbische Volksforschung (Bautzen: Domowina-Verlag, 1977), 11.
[18] Manuskripte, Gutachten, Korrespondenz und weitere Quellen zur Entstehungsgeschichte der GdS sind überliefert im Sorbischen Kulturarchiv Bautzen (Bestand “Institut za serbski ludospyt”), Archiv des Domowina-Verlags Bautzen (Titelakten) sowie im Bundesarchiv Berlin (Bestand DR 1 “Ministerium für Kultur”).
[19] Sorbisches Kulturarchiv Bautzen, ISL, Sign. XIII 6 B; Bundesarchiv Berlin, DR 1/3197, Bl. 358–371.
[20] Šurman, “Stawizny Serbow”, 32.
[21] Als problematisch erwiesen sich vielfältige Detailfragen, z. B. die Rolle der Kirche in der marxistischen sorbischen Geschichte, der Umgang mit ‛bürgerlichen’, konservativen und nationalistischen Strömungen in der sorbischen Nationalbewegung sowie die kaum ins Gewicht fallende Bedeutung proletarischer und kommunistischer Akteure, die Auswahl der ‛richtigen’ Zitate Lenins oder die Auswirkungen von Republikflucht und Mauerbau.
[22] Martin Kasper, Klaus J. Schiller und Jan Šołta, “Die Lausitzer Sorben im Prozeß der revolutionären Umwälzung in der DDR seit 1945. Slawismus und proletarischer Internationalismus in der neuesten Geschichte einer nationalen Minderheit”, in Sorabistische Beiträge zum VI. Slawistenkongreß in Prag 1968 (Bautzen: Domowina-Verlag, 1968), 167–188.
[23] Sorbisches Kulturarchiv Bautzen, ISL, Sign. I 33 A, Bl. 126–134. Dazu auch Měrćin Brycka, “Wuskutki lěta 1968 za Institut za serbski ludospyt” [Die Auswirkungen des Jahres 1968 auf das Institut für sorbische Volksforschung], Rozhlad, 69 (2019) 11: 19–22.
[24] Besprechungsprotokoll der Arbeitsgruppe zu methodologischen Fragen der neueren sorbischen Geschichte, Bautzen, 1.12.1967, Sorbisches Kulturarchiv Bautzen, ISL, Sign. XIII.1I, Bl. 164.
[25] Tatsächlich wird der Name Walter Ulbrichts aus der GdS am Ende fast völlig gestrichen (mit einer einzigen Ausnahme), während sein größter Rivale und Nachfolger an der Staats- und Parteispitze mehrfach genannt und zitiert wird. Vgl. Gutachten aus dem Zentralinstitut für Geschichte bei der AdW der DDR zum MS2 des vierten Bandes, Berlin, April 1977, Sorbisches Kulturarchiv Bautzen, ISL, sign. XIII.6B.
[26] Gutachten Heinz Heitzers zum MS3 des vierten Bandes, Berlin, 26.2.1978, Sorbisches Kulturarchiv Bautzen, ISL, sign. XIII.6B.
[27] “Vom Standpunkt der Arbeiterklasse und ihrer revolutionären Weltanschauung ausgehend, sind Gesamtredaktion und Autoren bemüht, die Geschichte des sorbischen Volkes in der historischen Perspektive real zu erfassen. […] Nach einer langen Zeit der sozialen und nationalen Unterdrückung und gleichzeitig des beharrlichen Widerstands gegen alle Maßnahmen zu ihrer Ausrottung fanden die Sorben in der sozialistischen Deutschen Demokratischen Republik ihr wahres Vaterland, das sie freudig begrüßten – das Vaterland der Werktätigen sorbischer und deutscher Nationalität, für das sie gemeinsam gekämpft hatten und das sie als Teil der sozialistischen Staatengemeinschaft wachsam schützen.” Jan Šołta, “Vorwort zur Gesamtdarstellung”, 11–12.
[28] Martin Sabrow, “Einleitung: Geschichtsdiskurs und Doktringesellschaft.” in Geschichte als Herrschaftsdiskurs. Der Umgang mit der Vergangenheit in der DDR, ed. Martin Sabrow (Köln/Weimar/Wien: Böhlau, 2000), 9–30.
[29] Klaus J. Schiller und Manfred Thiemann, Geschichte der Sorben, Bd. 4 (Bautzen: Domowina-Verlag, 1979), 271.
[30] Dazu Lubina Mahling, “Von großzügigen Adligen und aufstrebenden Tagelöhnern,” in 50 Jahre Unitätsarchiv. Beiträge der Jubiläumstagung vom 28. bis 29. Juni 2014, eds. Claudia Mai, Rüdiger Kröger, und Dietrich Meyer (Herrnhut: Herrnhuter Verlag, 2017), 37–54. Lubina Malinkowa, “Knježa a roboćenjo. K zwobraznjenju serbskich stawiznow” [Herren und Frohnarbeiter. Zur Illustration sorbischer Geschichte], Rozhlad 70, no. 3 (2020): 12–16.
[31] Edmund Pjech, “Diskusije wo serbskim stawiznopisu 1980–1992” [Diskussionen zur sorbischen Geschichtsschreibung 1980–1992], Rozhlad 70, no. 3 (2020) 1: 21–25.
[32] 2019/20 erschien in der sorbischen Kulturzeitschrift Rozhlad eine Essayreihe, die sich kritisch mit verschiedenen Aspekten der sorbischen Geschichtskultur im 20. Jahrhundert, namentlich den vier Bänden der GdS auseinandersetzte. Eine Veröffentlichung dieser Beiträge in deutsche Sprache ist für 2022/23 auf dem Blog https://lausitz.hypotheses.org/ vorgesehen.

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Abbildungsnachweis

Kurt Heine, Sorbische Delegation bei Präsident Pieck in Berlin, 1950: Sorbisches Kulturarchiv, Bautzen.

Empfohlene Zitierweise

Pollack, Friedrich: Fördern und zensieren: Minderheitenforschung in der DDR. In: Public History Weekly 10 (2022) 4, DOI: dx.doi.org/10.1515/phw-2022-19996.

Redaktionelle Verantwortung

Marko Demantowsky / Thomas Hellmuth

A four-volume history of the Sorbs, “Geschichte der Sorben,” was published between 1974 and 1979 by Domowina, a Bautzen-based publishing house. The work was the first comprehensive overview prepared by specialists for a broad readership to cover Sorbian history from the early Middle Ages to the present day. As such, it was a landmark achievement in the context of the Sorbs’ struggle for visibility in society and for recognition as a national minority. At the same time, however, it was also an instrument of the historical propaganda of “actually existing socialism,” whose categorical ideological criteria for filtering and censoring publications decided what merited inclusion in the collective master narrative.

“How I found my Fatherland”

In early February 1950, a mere four months after the founding of the GDR, a nineteen-member Sorbian delegation was received by head of state Wilhelm Pieck at Schönhausen Palace, his official residence. The president and the representatives of the Sorbian people celebrated the symbolic reconciliation of the state and the minority and assured each other of their respect and support. One of the delegates, the writer Jurij Brězan, treated the encounter as an experience of political awakening in his poem “Wie ich mein Vaterland fand” (How I Found My Fatherland, 1951). The poem closed with the emotional affirmation: “Ich hab es gefunden – / mein – / ja, mein Vaterland!” (I have found it—/ my—/yes, my fatherland!)[1]
Brězan’s laudation of Pieck as caring (“a man! […] like my father”) and of “our republic” was required reading in the GDR’s Sorbian schools. The poem links the poet’s biography with his people’s history, described as being able to find peace, freedom and equality for the first time in the “workers’ and peasants’ state.” In a bitter “anti-poem” written in 1964 yet unpublished, Brezan later revealed his considerable disappointment with some political developments in the GDR. Nevertheless, as a highly acclaimed artist and vice president of the GDR Writers’ Association, he held a key position in the cultural policy of “his fatherland” until 1989.[2]

Minorities Policy in the GDR

The dramatic arc connecting these poems about a fatherland gained and lost reflects wider contradictions inherent in the situation of the Sorbs in the GDR: both supported but also instrumentalized for political purposes, they sought to fit in and to preserve their distinctiveness.[3] In a complete departure from earlier state policy in the region, a remarkably progressive minorities policy was initially launched in an effort to pacify national tensions that had smoldered in bilingual Lusatia since the nineteenth century and to win the Sorbs over to the cause of socialism. The “Law for the Protection of the Rights of the Sorbian Population,” enacted as early as 1948, saw a German state expressly giving a guaranteed right to the Sorbs, for the first time in history, that their language and culture would be fostered and protected. Once established, the cornerstone paved the way for the subsequent proliferation of comprehensive yet unprecedented state-sponsored Sorbian institutional structures in the 1950s: schools, museums, theaters and other educational and cultural institutions were founded, as were media organs, research institutes, administrative bodies and official agencies—all with the aim of making the Sorbs feel at home in the “workers’ and peasants’ state” as far as was possible—and of breaking their traditional loyalties to and reliance on the “bourgeois” Sorbian national movement and the churches.

The price for this policy, however, was the absolute ideological subordination of the Sorbs to the will of the ruling dictatorship.[4] The national umbrella organization of the Sorbs, the Domowina, advanced to become a “transmission belt of the Socialist Unity Party (SED).”[5] It represented the interests of the state vis-à-vis the Sorbian population and provided reliable propaganda support even to projects either disadvantageous or even harmful to the minority such as the campaigns against the churches, the collectivization of agriculture, the restriction of initially introduced obligatory language teaching and learning in schools and the intensification of open-cast lignite mining in the heart of the Sorbian area of settlement.

“People in Chains”

The deep contradictions of GDR policy towards the Sorbs compelled those tasked with representing and delivering these policies on a day-to-day basis to invest considerable effort in their legitimation. Improving material living conditions played an important role in this respect.[6] But the realities of “actually existing socialism” lagged far behind the promises of prosperity made by the party. Thus, efforts to legitimize its policy also required additional, ideological justifications. This was the context in which historical propaganda became an immanent field of action in the state’s minorities policy early on.[7]

In 1954, the Department of Sorb Questions, an Interior Ministry unit in the GDR, started publishing a popular science publication series about the Sorbs that clearly reveals the instrumental approach to history adopted by the responsible functionaries.[8] One poignant title in this series, “Volk in Ketten” (People in chains) describes the history of the Sorbs as a condition of injustice that lasted for a thousand years and was overcome only when the communists came to power in the Soviet Occupation Zone (the later GDR). This narrative linked well-worn tropes of older Sorbian historiography with the determinist historical model of Marxism-Leninism and teleologically pointed to the overcoming of all national and class conflicts in the GDR. As such, it succeeded in superficially integrating the history of the Sorbs into the meta-narrative of the “workers’ and peasants’ state.”[9]

The Sorbian Institute Bautzen was expected to underpin this narrative with scholarly legitimation.[10] It was founded in 1951 as a non-university research institution. From 1952 onwards, it was tasked with conducting systematic research into the language, history and culture of the Sorbs under the umbrella of the German Academy of Sciences in East Berlin. In 1962, the Institute began work on the first-ever comprehensive, multi-volume account of Sorbian history.[11] Over a dozen scholars worked on this project for more than a decade and a half. What had initially been envisaged as a three-volume history was expanded to encompass four volumes. The first volume of the “Geschichte der Sorben” (History of the Sorbs, below: GdS) went to press in 1974 in both German-language and Sorbian-language versions (Sorbian title: Stawizny Serbow). The final volume was published in 1979.[12]

“Geschichte der Sorben”

Running to over 1,200 pages, 400 illustrations and thirteen maps, as well as 5,000 German-language copies and 1,000 Sorbian-language copies of each volume, the GdS ranks among the most complex and lavish Sorabist publications of the GDR era.[13] The significance this work had for propaganda purposes is also evident in the enormous degree of political attention that the project attracted from the outset. The Department of Sciences of the SED Central Committee approved the inclusion of the GdS in the Central Research Plan for Social Sciences towards the end of 1963. There it joined such major prestigious projects of the historiography of “actually existing socialism” as the eight-volume “Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung” (History of the German Workers’ Movement), the three-volume “Deutsche Geschichte” (German History) and a “Grundriss der deutschen Geschichte” (Outline of German History).[14] In 1970, the Ministry of Culture ordered the Domowina publishing house in Bautzen to increasingly prioritize the GdS and publications associated with it.

Before manuscripts could become books in the GDR, their printing had to be approved by the Central Administration of Publishing and Bookselling in East Berlin. Printing permits were only granted after an extensive censorship process involving internal and external reviewers and “clarification processes.”[15] This also applied to the GdS and other works of specialist historical literature.[16] The number of people involved in—or intervening in—the four GdS volumes was greater than the group of editors and authors mentioned in their front matter might suggest. Jan Šołta, the Bautzen historian heading the “authors’ collective” responsible for the work, euphemistically made reference to “sozialistische Gemeinschaftsarbeit” in his foreword—to a collaborative effort by the Socialist community, as it were.[17] The project was indeed shaped in its content and steered by numerous stakeholders who wielded considerable influence: colleagues and superiors from the Institute, the Academy of Sciences and several higher education institutions, the management and editorial staff at the Domowina publishing house, Domowina functionaries, and SED and state leaders. Importance was also attached to consulting the Academies of Sciences of Poland and the Soviet Union.

The “Red Thread”

The GdS manuscripts were reviewed and censored in a multi-layered process that went on for several years.[18] The reviewers considered both scholarly points and issues of an ideological or political nature. The difference between the two was not always clearly discernible. Thus, “Manuscript 1” of the fourth volume of the GdS (1973) failed outright with the external reviewers. It was not until five years and several drafts, discussions and expert opinions later that “Manuscript 3” (1978) had finally taken on a shape that met the requirements of all sides and was submitted to the Berlin censorship authority for printing permission.[19]

This punishing censorship and approval procedure was an obligatory feature of publishing in the GDR. The SED and the Domowina organization, in particular, exploited the repeated correction and revision cycles to suppress unwelcome or inopportune depictions in the GdS—and to add more shine to their own historical roles. Every centimeter of the “red thread” (Siegfried Lokatis) of Sorbian history was wrangled over in vehement struggles. It was, however, clear from the start that “the founding of the GDR” would be the “decisive turning point” and that the “shaping of the developed social system of socialism” would be “the highest point reached thus far in the history of the Sorbs as well.”[20] To bolster this credo with empirical evidence, an entire series of contradictions had to be smoothed over and various divergent findings removed.[21]

Political Macro-Climate

“Harmonizing” empirical findings of fact and ideological precepts was often a risky balancing act. In the summer of 1968, a scandal erupted when GdS authors published an essay in a conference volume dedicated to the role of the Sorbs in the “revolutionary transformation in the GDR.”[22] The Academy of Sciences accused the group of defending reactionary positions of the “petty-bourgeois” Sorbian national movement and of not sufficiently appreciating the line taken by the working class and its party. Distribution of the volume was halted immediately upon the orders of the Academy and the remaining copies were destroyed.[23]

Unforeseen changes in the political macro-climate presented an additional challenge to work on the GdS. While the authors of the fourth volume had still been strongly advised in December 1967 to incorporate remarks made by Walter Ulbricht at the Seventh Party Congress of the SED (in April 1967) into their manuscript,[24] such homage became completely unthinkable after Ulbricht’s removal from power (in May 1971). Instead, “the lasting historic achievements of the Eighth Party Congress of the SED” (June 1971) and various speeches by Erich Honecker were now to be incorporated.[25] A scant few weeks before submitting the final manuscript to the publisher, the authors received a “recommendation” from the Academy of Sciences historian Heinz Heitzer that they consider the “Geschichte der SED” (History of the SED, 1978) that had just appeared in bookshops, by weaving that work into their text in suitably prominent places.[26] The authors quickly procured the work and added the required quotations.

History as a Discourse of Power

The fourth and final volume of the GdS was published late in the summer of 1979, just in time for the thirtieth anniversary of the founding of the GDR in October. The Marxist master narrative developed in the four volumes decisively summarized Sorbian history “from the standpoint of the working class and its revolutionary worldview.”[27] This “revolutionary worldview” tended to render invisible those aspects of Sorbian history that could not be shoehorned neatly into its schematic narrative of oppression, class struggle, and redemption by socialism. As such, the GdS sheds light on the techniques and patterns of “history as a discourse of power” (Martin Sabrow) in the GDR.[28] It primarily fulfilled legitimizing functions on behalf of the ruling party and its ideology.

Socialist history propaganda narrowed and distorted Sorbian history by depicting it as an essentially constant condition of political, social and national exploitation, oppression and disenfranchisement of the Sorbian people by the “ruling classes” in every age and across all epochal breaks. In this depiction, only the victory of “the German working class and its Marxist-Leninist party” had ultimately enabled the Sorbs to break their chains.[29] Readers of the GdS encounter some historical personalities and groups depicted with very little nuance that appear almost as caricatures: exploitative nobles, Germanizing pastors, landless serfs with no rights, selfless patriots, communist heroes.[30]

Just ten years after their completion, the four volumes had already become dated. Even while the upheavals of 1989/90 were still in train, the GdS became a topic of discussion among the Sorbs. Although only a few voices advocated a clear break with “their history,” the work was now seen with considerable ambivalence.[31] Hardly anybody wanted to pulp the GdS altogether. Its significance as the first comprehensive and scholarly account of Sorbian history written from a position of formal political equality rather than from a subaltern position was too great for that. From a scholarly point of view, too, the four volumes do not form a homogeneous whole, but rather a mixture of passages that can be cited approvingly, extracts that are at least useful for documentary purposes, as well as ideologically completely twisted assessments. With the distance of one generation, the GdS now itself represents one source of 20th-century Sorbian history.[32]

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Further Reading

  • Stone, Gerald. Slav Outposts in Central European History. The Wends, Sorbs and Kashubs. London et al.: Bloomsbury, 2016.
  • Pollack, Friedrich. “Geteilte Vergangenheit. Vorläufige Überlegungen zu Transkulturalität und Transnationalität in der Lausitzer Geschichtsschreibung”, in Einheit in Verschiedenheit. Kulturelle Diversität und gesellschaftliche Teilhabe von Minderheiten auf dem Prüfstand, eds. Elka Tschernokoshewa, Ines Keller, and Fabian Jacobs. Münster et al.: Waxmann, 2015, 105–135.
  • Carbonneau, Jean-Rémi. “La complétude institutionnelle des Sorabes de Lusace depuis l’unification des États allemands”, Politique et sociétés 36, no. 3 (2017): 15–45.

Web Resources

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[1] “Sym namakał / swoju, / haj, swoju wótčinu!” See further Christian Prunitsch, Sorbische Lyrik des 20. Jahrhunderts. Untersuchungen zur Evolution einer Gattung (Bautzen: Domowina-Verlag, 2001), 186–187. See also Dietrich Scholze, Jurij Brězan. Leben und Werk (Bautzen: Domowina-Verlag, 2016), 67–77.
[2] Prunitsch, Sorbische Lyrik, 188.
[3] Peter Schurmann, Die sorbische Bewegung 1945–1948 zwischen Selbstbehauptung und Anerkennung (Bautzen: Domowina-Verlag, 1998). Edmund Pech, Die Sorbenpolitik der DDR 1949–1970. Anspruch und Wirklichkeit (Bautzen: Domowina-Verlag, 1999). Michael Richter, Deutsche Parteien in der sorbischen Oberlausitz 1945–1953. Die politische Entwicklung in den zweisprachigen Kreisen nach dem Zweiten Weltkrieg (Bautzen: Domowina-Verlag, 2017).
[4] Michał Nuk, Zatajena njeprawda. Politisce přesćěhani w Serbach mjez 1945 a 1989 [Hidden Injustice. Political Persecution of Sorbs between 1945 and 1989] (Bautzen: Domowina-Verlag, 2004). Timo Meškank, Sorben im Blick der Staatssicherheit. Die Akten der K5 und des MfS der DDR 1949–1989 (Bautzen: Domowina-Verlag, 2016).
[5] Ludwig Elle, Die Domowina in der DDR. Aufbau und Funktionsweise einer Minderheitenorganisation im staatlich-administrativen Sozialismus (Bautzen: Domowina-Verlag, 2010).
[6] Edmund Pech, “Modernisierung und Migration. Konzeptionen für die zweisprachige Lausitz in der DDR vor dem Hintergrund des Braunkohlenbergbaus,” Neues Lausitzisches Magazin, 138 (2016): 115–130.
[7] Marko Demantowsky has teased out the conceptual content of the Marxist-Leninist understanding of “historical propaganda” in his Geschichtspropaganda und Aktivistenbewegung in der SBZ und DDR. Eine Fallstudie (Münster/Hamburg/London: LIT-Verlag, 2000), 14–19. For a general account, see Ilko-Sascha Kowalczuk, Legitimation eines neuen Staates. Parteiarbeiter an der historischen Front. Geschichtswissenschaft in der SBZ/DDR 1945 bis 1961 (Berlin: Ch. Links Verlag, 1997). Martin Sabrow, Das Diktat des Konsenses. Geschichtswissenschaft in der DDR 1949–1969 (Munich: Oldenbourg, 2001).
[8] Seven booklets appeared in this series (“Schriftenreihe über die Sorben”) in rapid succession: Hans Brüchner, Die Geschichte der Sorben bis zum Verlust ihrer politischen Selbständigkeit (Bautzen: Nowa Doba, 1955) [Issue 1; http://digital.slub-dresden.de/id1676916210, last accessed 15 May 2022]; Hans Brüchner, Ein Volk in Ketten. Ein Überblick über die Geschichte der Sorben vom Beginn unseres Jahrtausends bis zum Ende des 18. Jahrhunderts (Bautzen: Nowa Doba, 1955) [Issue 2; http://digital.slub-dresden.de/id1676916466, last accessed 15 May 2022]; Kurt Krenz, Domowina. Die nationale Organisation der Lausitzer Sorben (Bautzen: Nowa Doba, 1954) [Issue 3; http://digital.slub-dresden.de/id1676919651, last accessed 15 May 2022]; Jurij Handrik, Die Deutsche Demokratische Republik. Auch das Vaterland der Sorben (Bautzen: Nowa Doba, 1954) [Issue 4]; Paul Nedo, Sorbische Volkstrachten (Bautzen: Nowa Doba, 1954) [Issue 5; http://digital.slub-dresden.de/id1669211843, last accessed 15 May 2022]; Pětr Malink, Die sorbische Literatur. Ein kurzer Überblick über ihre Entwicklung von den Anfängen bis zur Gegenwart (Bautzen: Domowina Publishing House, 1958–1959) [in 2 parts, issues 6–7].
[9] See further Sabrow, Diktat des Konsenses, 183–252. Konrad H. Jarausch, “Die DDR-Geschichtswissenschaft als Meta-Erzählung,” in Verwaltete Vergangenheit. Geschichtskultur und Herrschaftslegitimation in der DDR, ed. Martin Sabrow (Leipzig: Akademische Verlagsanstalt 1997), 19–34
[10] Friedrich Pollack, “Das Sorbische Institut/Serbski institut in Bautzen und Cottbus. Geschichte und Profil einer interdisziplinären Forschungseinrichtung,” Blätter für deutsche Landesgeschichte, 153 (2017): 417–429.
[11] Pětš Šurman, “Styrizwězkowy kompendium ‘Stawizny Serbow’ – jogo pśedhistorija a realizacija.” [The four-volume compendium ‘History of the Sorbs’ – development and implementation], Rozhlad, 69 (2019) 10: 30–33.
[12] Geschichte der Sorben/Stawizny Serbow. Vol. 1, Anfänge bis 1789, Vol. 2 1789–1917, Vol. 3, 1917–1945, Vol. 4, 1945 bis Gegenwart, ed. Sorbian Institute Bautzen (Bautzen: Domowina-Verlag, 1974–1979).
[13] On the publishing record of this Sorbian publisher, founded in 1958, see Ludowe Nakładnistwo Domowina/Domowina-Verlag. Bibliografija/Bibliographie 1958–2007 (Bautzen: Domowina-Verlag, 2008).
[14] See Siegfried Lokatis, Der rote Faden. Kommunistische Parteigeschichte und Zensur unter Walter Ulbricht (Cologne/Weimar/Vienna: Böhlau, 2003). Martin Sabrow, “Planprojekt Meistererzählung. Die Entstehungsgeschichte des ‘Lehrbuchs der deutschen Geschichte,’” in Geschichte als Herrschaftsdiskurs. Der Umgang mit der Vergangenheit in der DDR, ed. Martin Sabrow (Cologne/Weimar/Vienna: Böhlau, 2000), 227–286.
[15] For a comprehensive account, see Siegfried Lokatis, Verantwortliche Redaktion. Zensurwerkstätten der DDR (Stuttgart: Dr. Ernst Hauswedell oHG Verlag, 2019).
[16] Friedrich Pollack, “’Do boja – zdar!’ NDRski system censury a serbski stawiznopis.” [‘Join battle!‘ The GDR censorship system and Sorbian historiography], Rozhlad, 70 (2020) 1: 15–19. See also Günter Hertel, “Die Zensur historischer Fachliteratur. Beispiele aus dem Lektorat Geschichte des Akademie-Verlags (1974–1987),” in Die Argusaugen der Zensur. Begutachtungspraxis im Leseland DDR, eds. Siegfried Lokatis and Martin Hochrein (Stuttgart: Dr. Ernst Hauswedell oHG Verlag, 2021), 667–681. Siegfried Lokatis, “Geschichtswerkstatt Zensur,” in Geschichte als Herrschaftsdiskurs. Der Umgang mit der Vergangenheit in der DDR, ed. Martin Sabrow (Cologne/Weimar/Vienna: Böhlau, 2000), 175–225.
[17] Jan Šołta, “Vorwort zur Gesamtdarstellung,” in Geschichte der Sorben, vol. 1, ed. Sorbian Institute Bautzen (Bautzen: Domowina-Verlag, 1977), 11.
[18] The manuscripts, expert opinions, correspondence and other sources on the history of the development of the GdS have been preserved in the Sorbian Cultural Archive Bautzen (in the “Institut za serbski ludospyt” holdings), the archive of Domowina publishing house in Bautzen (files on titles) and the German Federal Archives in Berlin (in the DR 1 “Ministry of Culture” holdings).
[19] Sorbian Cultural Archive Bautzen, ISL, Sign. XIII 6 B; Bundesarchiv Berlin, DR 1/3197, fol. 358–371.
[20] Šurman, “Stawizny Serbow,” 32.
[21] Various questions of detail proved problematic; they included the role of the church in Marxist Sorbian history, the treatment of “bourgeois,” conservative and nationalist currents in the Sorbian national movement and the barely perceptible significance of proletarian and communist protagonists, the question of the “right” Lenin quotations and the effects of flight from the GDR and the construction of the Berlin Wall.
[22] Martin Kasper, Klaus J. Schiller, and Jan Šołta, “Die Lausitzer Sorben im Prozeß der revolutionären Umwälzung in der DDR seit 1945. Slawismus und proletarischer Internationalismus in der neuesten Geschichte einer nationalen Minderheit,” in Sorabistische Beiträge zum VI. Slawistenkongreß in Prag 1968 (Bautzen: Domowina-Verlag, 1968), 167–188.
[23] Sorbian Cultural Archive Bautzen, ISL, Sign. I 33 A, fol. 126–134. On this controversy, see also Měrćin Brycka, “Wuskutki lěta 1968 za Institut za serbski ludospyt” [The Impact of the Year 1968 on the Sorbian Institute Bautzen], Rozhlad, 69 (2019) 11: 19–22.
[24] Besprechungsprotokoll der Arbeitsgruppe zu methodologischen Fragen der neueren sorbischen Geschichte [Minutes of the meeting of the working group on methodological questions in modern Sorbian history], Bautzen, 1 December 1967, Sorbian Cultural Archive Bautzen, ISL, Sign. XIII.1I, fol. 164.
[25] Walter Ulbricht’s name was indeed expunged almost entirely from the GdS (with a solitary exception), while his greatest rival and successor at the helm of the party and the state is mentioned and quoted in multiple places. See Gutachten aus dem Zentralinstitut für Geschichte bei der AdW der DDR zum MS2 des vierten Bandes [Expert opinion from the Central Institute for History in the Academy of Sciences of the GDR on mscr.2 of Volume 4], Berlin, April 1977, Sorbian Cultural Archive Bautzen, ISL, sign. XIII.6B.
[26] Gutachten Heinz Heitzers zum MS3 des vierten Bandes [Expert opinion by Heinz Heitzer on mscr.3 of the fourth volume], Berlin, 26 February 1978, Sorbian Cultural Archive Bautzen, ISL, sign. XIII.6B.
[27] “Proceeding from the standpoint of the working class and its revolutionary worldview, the editors of the work as a whole and the authors have endeavored to grasp the reality of the history of the Sorbian people in a historical perspective. […] After a long period of social and national oppression and persistent resistance to all measures aimed at their eradication, the Sorbs found their true fatherland in the socialist German Democratic Republic and welcomed it with joy—the fatherland of the working people of Sorbian and German nationality, for which they had fought together and which they guard with vigilance as part of the Socialist community of states.” Jan Šołta, “Vorwort zur Gesamtdarstellung,” 11–12.
[28] Martin Sabrow, “Einleitung: Geschichtsdiskurs und Doktringesellschaft” in Geschichte als Herrschaftsdiskurs. Der Umgang mit der Vergangenheit in der DDR, ed. Martin Sabrow (Cologne/Weimar/Vienna: Böhlau, 2000), 9–30.
[29] Klaus J. Schiller and Manfred Thiemann, Geschichte der Sorben, vol. 4 (Bautzen: Domowina-Verlag, 1979), 271.
[30] See Lubina Mahling, “Von großzüggigen Adligen und aufstrebenden Tagelöhnern” in 50 Jahre Unitätsarchiv. Beiträge der Jubiläumstagung vom 28. bis 29. Juni 2014, ed. Claudia Mai, Rüdiger Kröger, and Dietrich Meyer (Herrnhut: Herrnhuter Verlag, 2017), 37–54. Lubina Malinkowa, “Knježa a roboćenjo. K zwobraznjenju serbskich stawiznow” [Lords and Serfs. On the Illustration of Sorbian History], Rozhlad, 70 (2020) 3: 12–16.
[31] Edmund Pjech: “Diskusije wo serbskim stawiznopisu 1980–1992” [Discussions on Sorbian Historiography 1980–1992], Rozhlad 70 (2020) 1: 21–25.
[32] In 2019/20, the Sorbian cultural journal Rozhlad published a series of essays critically examining various aspects of Sorbian historical culture in the twentieth century and especially the four volumes of the GdS. Publication of German versions of these essays on the blog https://lausitz.hypotheses.org/ is planned for 2022/23.

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Image Credits

Kurt Heine, Sorbian delegation with President Pieck in Berlin, 1950: image courtesy of Sorbial Cultural Archives, Bautzen.

Recommended Citation

Pollack, Friedrich: Support and Censorship: Research on Minorities in the GDR. In: Public History Weekly 10 (2022) 4, DOI: dx.doi.org/10.1515/phw-2022-19996.

Editorial Responsibility

Marko Demantowsky / Thomas Hellmuth

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    OPEN PEER REVIEW

    Stawiznopis a mjeńšinowe slědźenje za čas diktatury

    Přinošk započina so z powšitkownym rysowanjom a zarjadowanjom serbskeje a mjeńšinoweje politiki za čas NDR. Kónc Druheje swětoweje wójny woznamjenješe wažnu cezuru w stawiznach Serbow. Po dołhim času statneje diskriminacije a wuzamknjenja měješe mała słowjanska mjeńšina w Němskej wulke nadźije na nowy započatk. W lěće 1948 bu schwaleny „Zakoń wo zachowanju prawow serbskeje ludnosće“, kotryž garantowaše Serbam škit a spěchowanje jich rěče a kultury. To bě na jednej stronje zakład za nastaće wot stata spěchowanych serbskich institucijow w 1950tych lětach, na tamnej stronje bě płaćizna za to podrjadowanje ideologiskim předpisam knježaceje diktatury. Třěšny zwjazk Serbow, Domowina, na přikład wutwari so k transmisijnemu rjećazej strony SED.

    To płaćeše tohorunja za stawiznopis a mjeńšinowe slědźenje w NDR. W srjedźišću přinoška steji wažny podawk mjeńšinoweho slědźenja w NDR – wudaće štyryzwjazkowych „Stawiznow Serbow” (wozjewjene 1974 do 1979). Běše to prěnje wobšěrne wědomostne předstajenje serbskich stawiznow wot spočatkow hač do přitomnosće. 15 awtorkow a awtorow z Instituta za serbski ludospyt w Budyšinje a Karla-Marxoweje uniwersity Lipsk su so lětdźesatkaj z tutym centralnym projektom zaběrali.

    Nimo njedwělomnych zasłužbow tutoho předewzaća tematizuje nastawk tohorunja rólu a funkciju stawiznopisa w času diktatury. Stawiznopis a socialnowědomosće mějachu w NDR wažnu legitimatorisku funkciju, dyrbjachu wobstejacy politiski system a towaršnostny porjad wopodstatnić a podpěrować. To płaćeše tohorunja za serbsku historiografiju a mjeńšinowe slědźenje. Tež we wobchadźe ze Serbami prócowaše so stat ze wšěmi swojimi institucijemi swójski wid na kolektiwne dopomjeće přesadźić.

    K zawěsćenju toho so sorabistika zarjadowa do systema ideologiskeje kontroly a metodisko-wobsahoweho wothłosowanja pod třěchu Akademije wědomosćow NDR. Projekt „Stawizny Serbow“ bě wobstatk centralneho slědźerskeho plana NDRskeje historiografije a bu přirjadowany dalšim wulkoprojektam kaž wosomzwjazkowym „Stawiznam němskeho dźěłaćerskeho hibanja“ a dwanećezwjazkowym „Němskim stawiznam”.

    Na přikładźe projekta „Stawizny Serbow“ so w přinošku wobswětluja wobłukowe wuměnjenja za slědźenje a publikowanje kaž tež instrumentariji ideologiskeje kontrole a cenzury. Tak zhotowichu so wot kóždeho zwjazka „Stawizny Serbow” wobšerne posudźowanja wot fachowych wědomostnikow kaž tež wot politisko-towaršnostnych skupinow z tu- a socialistiskeho wukraja.

    Autor wopisuje štyri zwjazki z prawom jako dźěło marxistisko-leninistiskeho stawizniskeho slědźenja, hdźež hodźa so tezy a metody jenož hišće we wobłuku teje epochi zrozumić. Ideologiska kontrola wobsahowaše wšitke štyri zwjazki, při čimž so wobsah štwórteho zwjazka wo serbskich stawiznach po 1945 wosebje sylnje wobwliwowaše. Hižo dźesać lět po zakónčenju běchu štyri zwjazki we wobłuku towaršnostneho přewróta 1989/90 zestarjene a tohorunja mjez Serbami zasadźi debata wo nachwatanju deficitow sorabistiskeho stawizniskeho slědźenja doby NDR.

    W cyłku jedna so wo kompaktne a wurunane předstajenje stawizniskeho a mjeńšinoweho slědźenja w času NDR. Runje přez rysowanje tutoho mikrokosmosa wujasni so wšowopřijacy wliw tehdyšeje diktatury.

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    Geschichtsschreibung und Minderheitenforschung in der Diktatur

    Der Beitrag beginnt zunächst mit der allgemeinen Schilderung und Einordnung der Sorben- und Minderheitenpolitik der DDR. Das Ende des Zweiten Weltkriegs bildete in der Geschichte der Sorben eine tiefe Zäsur. Nach einer langen Zeit staatlicher Diskriminierung und Ausgrenzung setzte die kleine slawische Minderheit in Deutschland große Hoffnungen auf den Neubeginn. Im Jahr 1948 wurde ein „Gesetz zur Wahrung der Rechte der sorbischen Bevölkerung“ verabschiedet, das den Sorben Schutz und Förderung ihrer Sprache und Kultur garantierte. Das war die Grundlage für das Entstehen staatlich geförderter sorbischer Institutionen in den 1950er Jahren. Allerdings war der Preis der Beihilfe die Unterordnung unter die ideologischen Vorgaben der herrschenden Diktatur. Der bestehende Dachverband der Sorben etwa, die Domowina (dt. Heimat), wurde zu einem „Transmissionsriemen der SED“ ausgebaut.

    Gleiches galt für die Geschichtsschreibung und die Minderheitenforschung. Im Mittelpunkt des Aufsatzes steht ein bedeutsames Ereignis der Minderheitenforschung in der DDR – die Herausgabe der vierbändigen „Geschichte der Sorben“ (erschienen 1974 bis 1979). Es war die erste umfangreiche und wissenschaftlich erarbeitete Gesamtdarstellung der sorbischen Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. 15 Autorinnen und Autoren des Instituts für sorbische Volksforschung in Bautzen sowie der Karl-Marx-Universität Leipzig waren rund zwei Jahrzehnte in dieses zentrale Projekt involviert.

    Neben den unbestrittenen Verdiensten dieses Vorhabens thematisiert der Aufsatz auch die Rolle und Funktion von Geschichtsschreibung in einer Diktatur. Den Geschichts- und Sozialwissenschaften kam in der DDR eine legitimatorische Funktion zu, sie sollten das geltende politische System und die bestehende Gesellschaftsordnung begründen und unterstützen. Das galt ebenso für die sorbische Historiographie und Minderheitenforschung. Auch im Umgang mit der sorbischen Minderheit strebte der Staat mit seinen Institutionen früh nach Deutungshoheit über das kollektive Erinnern.

    Um das sicherzustellen, wurde die Sorabistik eingebunden in ein System ideologischer Kontrolle und methodisch-inhaltlicher Abstimmung unter dem Dach der Akademie der Wissenschaften der DDR. Das Projekt der „Geschichte der Sorben“ war Bestandteil eines zentralen Forschungsplans der DDR-Historiographie. Es ordnete sich ein in weitere Großprojekte wie die achtbändige „Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung“ und die zwölfbändige „Deutsche Geschichte“.

    Am Beispiel der „Geschichte der Sorben“ werden im Beitrag sowohl die Rahmenbedingungen für Forschung und Publikation als auch die Instrumente der ideologischen Kontrolle und Zensur beleuchtet. So wurde jeder Band der „Geschichte der Sorben“ einer umfassenden Kritik einerseits durch Fachwissenschaftler, andererseits durch politisch-gesellschaftliche Interessengruppen aus dem In- und sozialistischen Ausland unterzogen.

    Der Autor beschreibt die vier Bände zurecht als geschlossenes Gesamtwerk der marxistisch-leninistischen Geschichtsforschung, deren Thesen und Methodik nur noch aus ihrer jeweiligen Zeit heraus zu verstehen sind. Die ideologische Kontrolle betraf alle vier Bände, wobei der vierte Band über die sorbische Geschichte nach 1945 einer besonders überzogenen Einflussnahme ausgesetzt war. Schon zehn Jahre nach Vollendung waren die vier Bände im Zuge des gesellschaftlichen Umbruchs 1989/90 überholt und auch unter den Sorben setzte eine Debatte über die Aufarbeitung der sorabistischen DDR-Geschichtsforschung ein.

    Insgesamt handelt es sich bei dem vorliegenden Beitrag um eine kompakte und ausgewogene Schilderung der Geschichtsschreibung und Minderheitenforschung in der DDR. Gerade durch die Darstellung eines Mikrokosmos wird brennglasartig der allumfassende Einfluss der Diktatur deutlich.

     

  2. German version below. To all readers we recommend the automatic DeepL-Translator for 22 languages. Just copy and paste.

    OPEN PEER REVIEW

    The Price of Extensive Adaptation

    Historiographical works on the GDR had emphasized the thesis of a “de-differentiation” of society for many years, but more recently the focus shifted to contexts that indicate greater socio-cultural complexity and also contradictions in the GDR. This primarily includes the rediscovery of the history of migration in East Germany, particularly through the immigration of contract workers, combined with expectations of international and also post-colonial solidarity and approaches to a specifically socialist globalization, but also with racist everyday experiences. In this new and broad field of diversity, the Sorbian minority group, which has been based in Upper and Lower Lusatia for centuries, should not be overlooked.

    The essay confidently outlines the paradigm shift from the anti-Slavic, racist attitude towards the Sorbs in Germany before 1945 to a progressive minority policy and comprehensive state support in the GDR, albeit at the price of extensive adaptation to the ideological guidelines of the socialist dictatorship. Based on extensive source research, the essay shows this using the four-volume “History of the Sorbs”, which was published by the Domowina publishing house in Bautzen in the 1970s. The focus of the study is on the production conditions of the work: the censorship and approval procedures, the composition of the “author collective” and the repeated revision loops.

    The “History of the Sorbs” took on – even by its own claim – a legitimation function for the minority policy of the GDR. It would be interesting to find out more about the reception and appropriation of the work. The “History of the Sorbs” had a circulation of 5,000 German-language and 1,000 Sorbian-language copies. Who should the readers be? Who bought the work? Did content from the “History of the Sorbs” find its way into other depictions, especially into the textbooks of the GDR? What aspects of the work still have an impact today? The essay itself speaks of elements in the “History of the Sorbs” that are still “quotable, factually usable”.

    In view of the initially outlined rediscovery of East Germany as at least in parts a multicultural and multiethnic society, a further question would be whether the “History of the Sorbs” contributed to not only inscribing the Sorbian minority group in German history from a socialist perspective, as the article convincingly explains, but also, vice versa, to creating greater acceptance, if not empathy, for Sorbian history and culture in the GDR society as a whole. Against the background of racism and right-wing extremism, especially in the late phase of the GDR, which have recently been researched more intensively, this would be an interesting finding.

    Finally, I would like to put up a point for discussion that fundamentally concerns the teaching of the history of the GDR. The essay classifies the “History of the Sorbs” correctly and historically well-founded in the larger context of legitimation, propaganda and power discourse. In recent years, however, an often non-empirical, but powerful discourse on the supposed inadequacy, one-sidedness and state affiliation of the media has left its mark in Germany, and with particular intensity in East Germany. This can be seen in courses in history studies and in teacher training as well. As a result, “propaganda” and “discourse on power” are no longer consistently associated with conditions in a dictatorship, but also with today’s everyday life in democratic societies. It is positive to note that a more detailed study of the sources is usually able to make differences visible and thus also to strengthen the judgment of prospective history teachers. However, it is not to be assumed that everyone already knows what constitutes propaganda and how it works. This should be shown again and again with concrete, detailed examples and thus presents public history with an important task in its reflection on public historical awareness.

    __________

    Um den Preis einer weitgehenden Anpassung

    Nachdem in der Geschichtsschreibung zur DDR über viele Jahre hinweg die „Entdifferenzierung“ der Gesellschaft hervorgehoben wurde, richtet sich der Blick in jüngerer Zeit stärker auf Kontexte, die eine größere soziokulturelle Vielschichtigkeit und auch Widersprüchlichkeit in der DDR anzeigen. Hierzu zählt in erster Linie die Neuentdeckung der Migrationsgeschichte Ostdeutschlands, insbesondere durch die Zuwanderung von Vertragsarbeitenden, verbunden mit Erwartungen internationaler, auch postkolonialer Solidarität und Ansätzen einer spezifisch sozialistischen Globalisierung, aber auch mit rassistischen Alltagserfahrungen. Nicht übersehen werden sollte in diesem neuen und weiten Feld der Diversität die seit Jahrhunderten in der Ober- und Niederlausitz ansässige sorbische Minderheitengruppe.

    Souverän skizziert der Aufsatz den Paradigmenwechsel von der antislavischen, rassistischen Haltung gegenüber den Sorbinnen und Sorben in Deutschland vor 1945 zu einer progressiven Minderheitenpolitik und umfassenden staatlichen Förderung in der DDR, freilich um den Preis einer weitgehenden Anpassung an die ideologischen Vorgaben der sozialistischen Diktatur. Auf umfangreiche Quellenrecherchen gestützt zeigt dies der Aufsatz anhand der vierbändigen „Geschichte der Sorben“, die in den 1970er Jahren im Domowina-Verlag in Bautzen erschien. Dabei liegt der Schwerpunkt der Ausführungen auf den Produktionsbedingungen des Werkes: den Zensur- und Genehmigungsverfahren, der Zusammenstellung des „Autorenkollektivs“ und den wiederholten Überarbeitungsschleifen.

    Die „Geschichte der Sorben“ übernahm – bereits dem eigenen Anspruch nach – eine Legitimationsfunktion für die Minderheitenpolitik der DDR. Hier wäre es spannend, Näheres über Rezeption und Aneignung des Werkes zu erfahren. Die „Geschichte der Sorben“ besaß eine Auflage von 5.000 deutschsprachigen und 1.000 sorbischsprachigen Exemplaren. Wer sollten die Zielgruppen sein? Wer erwarb das Werk? Fanden Inhalte aus der „Geschichte der Sorben“ Eingang in andere Darstellungen, insbesondere in die Schulbücher der DDR? Welche Aspekte des Werkes wirken bis heute nach? Der Aufsatz selbst spricht von gegenwärtig weiterhin „zitierbaren, faktographisch brauchbaren“ Elementen in der „Geschichte der Sorben“.

    Angesichts der eingangs skizzierten Neuentdeckung Ostdeutschlands als zumindest in Teilen multikultureller und multiethnischer Gesellschaft wäre eine weiterführende Frage, ob die „Geschichte der Sorben“ dazu beitrug, die sorbische Minderheitengruppe nicht nur in die deutsche Geschichte sozialistischer Lesart einzuschreiben, wie es der Aufsatz überzeugend darlegt, sondern umgekehrt auch in der Gesamtgesellschaft der DDR eine größere Akzeptanz, wenn nicht gar Empathie für die sorbische Geschichte und Kultur aufzubauen. Vor dem Hintergrund von Rassismus und Rechtsextremis vor allem in der Spätphase der DDR, die seit Neuestem intensiver erforscht werden, wäre dies eine interessante Erkenntnis.

    Zur Diskussion stellen möchte ich schließlich einen Punkt, der grundsätzlich die Vermittlung der Geschichte der DDR betrifft. Der Aufsatz ordnet die „Geschichte der Sorben“ zutreffend und geschichtswissenschaftlich abgesichert in den größeren Zusammenhang von Legitimation, Propaganda und Herrschaftsdiskurs ein. In den letzten Jahren hat allerdings in Deutschland, und mit besonderer Intensität in Ostdeutschland, ein zwar oft empiriefreier, aber wirkmächtiger Diskurs über die vermeintliche Unzulänglichkeit, Einseitigkeit und Staatshörigkeit von Medien seine Spuren hinterlassen. Dies ist bis hinein in Lehrveranstaltungen des Geschichtsstudiums und in der Lehramtsausbildung zu bemerken. „Propaganda“ und „Herrschaftsdiskurs“ werden in der Folge nicht mehr durchweg mit Verhältnissen in einer Diktatur, sondern auch mit dem heutigen Alltag in demokratischen Gesellschaften assoziiert. Eine ausführlichere Beschäftigung mit den Quellen ist, das ist positiv zu vermerken, in aller Regel in der Lage, Unterschiede sichtbar zu machen und damit auch die Urteilskompetenz angehender Geschichtslehrkräfte zu stärken. Nur: Vorauszusetzen ist es nicht, dass allseits schon gewusst wird, was Propaganda ausmacht und wie sie funktioniert. Dies ist an konkreten, ausführlichen Beispielen immer wieder neu zeigen und stellt die Public History in ihrer Reflexion des öffentlichen Geschichtsbewusstseins damit vor eine wichtige Aufgabe.

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