Baedeker und die Erfindung der Landschaftsidentität

Baedeker and the Invention of Landscape Identity

Abstract:
The contribution discusses the notion of “landscape identity” from a historical perspective. It questions the observability of “attachments” to regions and places and calls for identifying the discursive attempts of identity-building through a critical reading of sources. It then proceeds to show that one of the historical forces that popularized the idea of “landscapes” and their distinct characteristics was modern tourism, with tourist guidebooks defining and describing the “uniqueness” of single places. Landscape identities were thus products of mobility and commercialization.
DOI: dx.doi.org/10.1515/phw-2021-17823
Languages: English, German

Die Vorstellung, dass Identitäten mit bestimmten Landschaften oder Orten verknüpft sind, ist im Alltag wie auch in wissenschaftlichen Diskursen weithin akzeptiert. Durch die soziale und kulturelle Aneignung von physischem Raum werden Regionen oder Städte zum Reservoir von Identität: Profane Ansammlungen von Steinen, Bäumen, Flüssen oder Feldern müssen mit persönlicher oder kollektiver Bedeutung aufgeladen werden, um zu distinkten „Landschaften“ zu werden. Die zugeschriebene Einzigartigkeit eines Ortes durch seine Bewohner wird in den Angewandten Wissenschaften als „Landschaftsidentität“ bezeichnet.[1] Wie ein Blick in die Geschichte aufzeigt, war jedoch Mobilität ihre treibende Kraft.

„Identität“ – und wie sie beobachtet werden kann

Obwohl die Forschung regelmäßig betont, dass Identitäten aus Wahrnehmungen erwachsen und als soziale Konstrukte verstanden werden sollten, laufen Theorien und Diskussionen über Identität immer wieder Gefahr, ihren Gegenstand zu essentialisieren. Das gilt vor allem für die Angewandten Wissenschaften, die versuchen, die „Zugehörigkeitsgefühle“ von Menschen zu bestimmten Orten und Landschaften zu messen und dabei häufig vorsprachliche Phänomene voraussetzen.[2]

Identität kann jedoch nicht gemessen werden wie der Blutdruck, auch nicht mittels Surveys. Was Wissenschaftler:innen unter „Identität“ fassen – definieren wir es hier ganz basal als „die Charakteristika, Gefühle oder Überzeugungen, die eine Gruppe von anderen unterscheiden“,[3] und behalten wir im Kopf, dass es sich dabei um soziale Konstrukte handelt –, kann nur durch Sprechakte identifiziert werden. Mithin können die Sozialwissenschaften nicht beweisen, ob „Identitäten“, individuelle oder kollektive, mit Gefühlen verbunden sind. Sie können allenfalls registrieren, wenn einflussreiche Sprecher:innen, die beanspruchen, eine soziale Gemeinschaft zu repräsentieren, dabei sind, eine vermeintliche kollektive Identität zu konstruieren. Bei der Erstellung von Surveys stimulieren oder gar produzieren Sozialwissenschaftler:innen, was sie zu beobachten suchen (indem sie aktiv erfragen, womit Menschen sich verbunden fühlen, um deren „Identität“ zu rekonstruieren). Faktisch evozieren sie auf diese Weise Antworten, die aus spontanen kognitiven Evaluationen der Befragten in einer Interviewsituation resultieren. Entsprechend kann Identität lediglich in diskursiver Form, in Gestalt willentlicher Artikulationen, existieren.

Historiker:innen schürfen demgegenüber ihre Quellen aus den materiellen Hinterlassenschaften des Alltags. Auch diese Dokumente vergangener politischer und sozialer Konflikte, die Historiker:innen zu rekonstruieren suchen, bergen kaum Spuren von „Identität“. Vielmehr dokumentieren Quellen des Alltagslebens, wie bestimmte Sprecher:innen versuchten, diskursiv herzustellen, was ihresgleichen als ihre kollektive Identität annehmen sollten. Sie rücken Personen ins Licht, die beanspruchten, die vermeintliche kollektive Identität einer Gruppe auszudrücken, die sie zu repräsentieren suchten. Es spricht oder handelt deshalb nie die gesamte soziale Entität, um die es geht, wenn eine Person oder eine Gruppe von Personen in ihrem Namen verkündet, „wir sind dies oder das“. Oder es ist nicht notwendig ein Ausdruck einheitlicher lokaler „Identität“, wenn eine Gruppe von Personen sich in einem Heimatverein zusammenschließt. Eine kritische Quellenlektüre verbietet es, einzelne, aber potente Sprecher:innen mit einer sozialen Entität als Gesamtheit gleichzusetzen. Historiker:innen tun besser daran, diese einflussreichen Agenten von (versuchter) Identitätsbildung im Wandel der Zeit zu identifizieren.

Die Erfindung von Landschaften ‚von außen‘

Vor diesem Hintergrund möchte ich argumentieren, dass „Identität“ historisch gesprochen ein Produkt sozialer Positionierungs- und Verkaufsprozesse darstellt. Derjenige, der die Autorität beansprucht, zu definieren, was eine lokale, regionale oder nationale „Identität“ ausmacht, demonstriert oder fordert zumindest eine führende Rolle in der sozialen und politischen Umwelt, für die er spricht. In der Geschichte der Moderne waren es häufig nationalistische, regionalistische und später rechtsgerichtete Politiker:innen und Bewegungen, die auf diesem Feld besonders aktiv wurden. Mit Bezug zu distinkten Landschaften und Ortschaften kreierten ihre Identitätskampagnen Vorstellungen lokaler, regionaler und nationaler Charakteristika, wobei das Lokale oder Regionale oft im Nationalen aufging.[4] Im deutschen Fall benutzten sie das Konzept „Heimat“ als Mittel, um einzelne Territorien und die dort geborene Bevölkerung regelrecht miteinander zu verschmelzen, auf Kosten der Ausländer und Fremden. Die Heimatvereine des Kaiserreichs hypostasierten eine „organische Verbindung von Volkstum, Landschaft und Natur“ und idealisierten die deutsche Landschaft mit ihren (vermeintlichen) charakteristischen Landsmannschaften und deren Bräuchen.[5] Heutige Politiker:innen der Rechten knüpfen an diese Konstrukte an, wenn sie die exklusive „Identität“ eines Volkes betonen, die in der Geschichte, den Traditionen und dem Brauchtum eines Territoriums gleichsam eingeschlossen sei.[6]

Man könnte schlussfolgern, dass politische Gruppen versuchen, exklusive „Identitäten“ zu konstruieren, indem sie den Zugehörigkeitssinn von Menschen zu vertrauten physischen Umgebungen anzapfen, wie er durch die Moderne hindurch gewachsen ist. Ironischerweise jedoch war die Erfindung moderner „Landschaften“, aus denen sich Zugehörigkeitsgefühle speisten und die als Synonyme für Schönheit herhielten, die wiederum individuelle oder kollektive Verbundenheit stifteten, unauflöslich mit Mobilität verbunden, und eher weniger mit dem Dableiben.

Die Entdeckung von „Landschaften“ durch kognitive Neuarrangements und Umwandlungen von physischem Raum in kohärente und mutmaßlich einzigartige Einheiten (mit einem ebenso einzigartigen eingeborenen Volk) fußte auf zwei Faktoren: dem panoramatischen und dem vergleichenden Blick. Die Fähigkeit zu reisen und zu vergleichen war notwendig, um die unverwechselbaren Eigenschaften und die „singuläre“ Anmut einer Landschaft überhaupt feststellen und spezifizieren zu können. Nur wandernde oder gereiste Zeitgenossen konnten neue Perspektiven entwickeln, die physischen Raum in „Landschaften“ verwandelten. Häufig waren fremde Besucher unter den Ersten, die den „einzigartigen“ Charakter einer entstehenden „Landschaft“ wertschätzten und beschrieben.[7]

Diese Prozesse der Neuperspektivierung traten erstmals am Ende des 18. Jahrhunderts, im Zuge der Romantik, auf. Auf sie folgten die Popularisierung und kommerzielle Ausbreitung „charakteristischer“ Landschaften in künstlerisch-ästhetischer Form (z. B. im Diorama), vor allem aber durch den modernen Tourismus. Diese neue Form des Reisens, die um die 1830er Jahre herum aufkam, war untrennbar mit dem Reisehandbuch verbunden, das Regionen und Orte konsumierbar und handhabbar machte – und unterscheidbar. Reiseführer für Tourist:innen wurden europäische und US-amerikanische Beststeller, bis der Große Krieg die mannigfaltigen regionalen und globalen Tourist:innenströme des 19. Jahrhunderts jäh versiegen ließ. Der deutsche Baedeker sollte die berühmteste Marke der Branche werden. Sein allererstes Reisehandbuch, veröffentlicht 1835, machte eine frisch entdeckte „Landschaft“ als Metapher deutscher Schönheit bekannt: das Rheinland.

Tourismus und Identitätsbildung

Reiseführer und ihrer Verleger, wie Karl Baedeker, John Murray oder Adolphe Joanne (der die französischen Guides Joanne veröffentlichte), waren sehr einflussreiche Popularisierer von „Landschaften“ und mit ihnen verbundenen Bräuchen, Traditionen und Mentalitäten. Seit ihrem Aufkommen im frühen 19. Jahrhundert in Westeuropa ersetzten sie nach und nach die opulenten Reiseberichte, die bewanderte Forschungsreisende für distinguierte Gelehrte zu Hause verfasst hatten. Die neuen Reisehandbücher umfassten handliche, kompakte und nützliche Informationen für die neue Generation moderner Tourist:innen, die mit begrenzten zeitlichen und monetären Ressourcen reisten. Breit diskutiert in der Presse und Publizistik von den 1840er Jahren an, zog der „Tourist“ oder moderne „Reisende“ sowohl sympathetische Aufmerksamkeit als auch harsche Kritik auf sich. Seine Kritiker:innen nahmen Anstoß an der mutmaßlichen Oberflächlichkeit, mit der er oder sie den besuchten Regionen und Orten begegnete – und im Kern war es die neue Perspektive, die aus der Erfindung und Erkundung unverwechselbarer Landschaften erwuchs, die hier in der Kritik stand. Denn im Gegensatz zu den virtuosen Reiseberichten aus dem 18. Jahrhundert schienen die modernen Tourist:innen und die florierende Tourismusindustrie ganze Länder und Regionen nur noch auf ihre charakteristischen Eigenschaften zu reduzieren.

In der Konsequenz wurde der Tourismus zu einem – wenn nicht dem – Motor der Landschaftstransformation, die mit den Nationsbildungsprozessen, der technologischen Modernisierung und der Kommerzialisierung einhergingen. Museen etwa wurden nicht nur gegründet, um den Bildungsambitionen des lokalen Bürgertums zu genügen, sondern auch, um im Kontext wachsender Konkurrenz zwischen benachbarten Städten oder Grafschaften fremde Besucher:innen anzulocken.[8] Urbane Landschaften wurden so seit den 1840er Jahren sichtbar durch touristische Logiken überformt, noch bevor ländliche und Küstengegenden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu Standorten bürgerlicher und (im Vereinigten Königreich) sogar bereits proletarischer Ausflüge und „Sommerfrischen“ wurden.[9]

Von der Region zur Nation

Die frühen Reiseführer empfahlen die besten Ausblicke und legten die Landschaft so den Tourist:innen zu Füßen. Erst in der Folge, wenn überhaupt, entdeckten auch die anwohnenden Bäuer:innen oder Handwerker:innen die besonderen Qualitäten ihrer vertrauten Wohnorte. Mehr noch: Reiseführer gehörten zu den ersten Verbreitungsmedien lokaler Geschichte, die sich an ein breiteres Publikum richteten. Indem sie mit historischen Abhandlungen über Ortschaften und Regionen aufwarteten – ihren König:innen, ihren Kriegen und Friedensschlüssen, insbesondere ihren Kunstgeschichten –, trugen Reiseführer dazu bei, Ideen lokaler und regionaler „Identitäten“ mitzuprägen. Auf diese Weise vermarkteten sie unwissentlich auch die Public History einzelner Orte, indem sie definierten, welche Monumente unbedingt zu besichtigen waren, welche Museen zu besuchen, welche verlassenen Kampffelder zu betreten. Reisehandbücher legten fest, welche Sehenswürdigkeiten „gesehen werden sollten“, und etablierten so die künftigen Charakteristika einer Stadt, einer Grafschaft oder einer Landschaft.

Interessant ist, dass Reiseführer zu europäischen Destinationen selten das nationale Territorium als Ganzes umfassten, sondern vor allem Regionen und Städte. Tourismus hatte also durchaus das Potenzial, nationale Identitätsbildung in Europa zu unterminieren. Doch auf der anderen Seite beförderte Tourismus höchstwahrscheinlich die Konstruktion nationaler Identitäten, da jeder einzelne Bestandteil der wachsenden touristischen Infrastruktur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts als pars pro toto für den Nationalstaat als Ganzen gesehen werden konnte, zumindest in den Augen eines ausländischen Reisenden [10]. Es wäre dann eine Konsequenz aus dem internationalen Tourismus, dass Landschaftsidentitäten – die bis heute von großem Einfluss sind – zunehmend mit nationalen Identitäten verwachsen sind. Wer diese Transformationen näher untersuchen will, kann dies online tun – Baedeker, Murray und andere historische Reiseführer sind großflächig digitalisiert worden.

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Literaturhinweise

  • Murdock, Caitlin E., “Tourist Landscapes and Regional Identities in Saxony, 1878-1938.” Central European History 40, no. 4 (2007): 589-621.
  • Lauterbach, Burkhart. “‘Als der Berg die Viktorianer rief‘: Alpentourismus im 19. Jahrhundert als Handlungsfeld kulturellen Transfers.“ Schweizerisches Archiv für Volkskunde 101 (2005): 49–66, http://dx.doi.org/10.5169/seals-118180 (last accessed 5 August 2020).
  • Mai, Andreas. “Touristische Räume im 19. Jahrhundert. Zur Entstehung und Ausbreitung von Sommerfrischen.“ Werkstatt Geschichte, no. 36 (2004): 7-23.

Webressourcen

  • Gyr, Ueli. “The History of Tourism: Structures on the Path to Modernity.” European History Online (EGO), published by the Institute of European History (IEG), Mainz 2010-12-03, http://www.ieg-ego.eu/gyru-2010-en  URN: urn:nbn:de:0159-20100921246 (letzter Zugriff 7. März 2021).
  • travel!digital. Sammlung historischer Baedeker-Reiseführer, Austrian Centre for Digital Humanities and Cultural Heritage. https://traveldigital.acdh.oeaw.ac.at (letzter Zugriff 10. März 2021).
  • Karl Baedeker Verlag, Titelliste „Deutsche Ausgaben“ 1828-1944. http://karlbaedeker.com/VD%20Biblio%20%20(Bae-D).htm (letzter Zugriff 10. März 2021).

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[1] Derk Jan Stobbelaar and Bas Pedroli, “Perspectives on Landscape Identity: A Conceptual Challenge,” Landscape Research 36, no. 3 (2011): 321-339.
[2] Ibid., 323, 326-327.[3] This is the highly constructivist variant of the three acceptations of “identity” in the Oxford Dictionary, the other two being much less controversial and closer to the original Latin identitas. See https://www.oxfordlearnersdictionaries.com/definition/english/identity?q=identity (last accessed 7 March 2021).
[4] For the interdependencies between local, regional and national self-images developing during the 19th century see Celia Applegate, A Nation of Provincials. The German Idea of Heimat (Berkeley: Berkeley University Press, 1990). Alon Confino, “The nation as a local metaphor: Heimat, national memory and the German Empire, 1871-1918,” History and Memory 5, no. 1 (1993): 42-88.
[5] Jens Jäger, „Heimat,“ Version: 1.0, Docupedia-Zeitgeschichte, 9.11.2017, http://docupedia.de/zg/Jaeger_heimat_v1_de_2017 (last accessed 8 March 2021).
[6] Sascha Nicke, “Der Begriff der Identität,” in https://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtspopulismus/241035/der-begriff-der-identitaet, 17.12.2018 (last accessed 8 March 2021). See also the extract from an interview with Alexander Gauland in Die Zeit, 14 April 2016, in Samuel Salzborn, Angriff der Antidemokraten. Die völkische Rebellion der Neuen Rechten (Weinheim: Beltz, 2017), 104.
[7] Susanne Müller, Die Welt des Baedeker. Eine Medienkulturgeschichte des Reiseführers 1830-1945 (Frankfurt, New York: Campus, 2012), 61-119.
[8] Louise Miskell, “Meeting places: the scientific congress and the host town in the south-west of England, 1836-1877,” Urban History 39, no. 2 (2012): 246-262.
[9] John K. Walton, “British Tourism Between Industrialization and Globalization. An Overview,” in The Making of Modern Tourism. The Cultural History of British Experience, 1600-2000, ed. Hartmut Berghoff et al. (Basingstoke: Palgrave Macmillan, 2002), 109-131. Andreas Mai, „Touristische Räume im 19. Jahrhundert. Zur Entstehung und Ausbreitung von Sommerfrischen,“ Werkstatt Geschichte, no. 36 (2004): 7-23.
[10] Rudy Koshar, “‘What ought to be seen’: Tourists‘ Guidebooks and National Identities in Modern Germany and Europe,” Journal of Contemporary History 33, no. 3 (1998): 323-340. Caitlin E. Murdock, “Tourist Landscapes and Regional Identities in Saxony, 1878-1938,” Central European History 40, no. 4 (2007): 589-621.

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Abbildungsnachweis

Burg Stahleck und das Rheintal-Panorama © 2019 abbilder CC BY-2.0 via flickr.

Empfohlene Zitierweise

Gatzka, Claudia: Baedeker und die Erfindung der Landschaftsidentität. In: Public History Weekly 9 (2021) 3, DOI: dx.doi.org/10.1515/phw-2021-17823.

Redaktionelle Verantwortung

Marko Demantowsky

The idea that identities relate to specific landscapes or places is widely accepted in everyday as well as scientific discourses. Through a process of social and cultural appropriation of physical space, regions or cities are transformed into a reservoir of identification: Profane ensembles of stone, trees, rivers or fields must be inscribed with personal and collective meanings to become distinct “landscapes”. The perceived uniqueness of a place to its residents has been called “landscape identity”.[1] Yet history reveals that mobility was its driving force.

“Identity” – And How to Observe It

Although scholars frequently assert that identities are made of perceptions and should be treated as social constructs, it is hard to ignore that theories and discussions on identity run the risk of essentializing their subject matter. This holds particularly true for the applied sciences, which seek to measure the ‘attachments’ of people to given places and landscapes and thereby often reify pre-linguistic phenomena.[2]

Identity, however, cannot be measured like blood pressure, not even through surveys. What scientists conceive of as “identity” – let us define it basically as “the characteristics, feelings or beliefs that make people different from others”,[3] keeping in mind their quality as social constructs – can only be perceived through speech acts. Hence, social sciences cannot prove whether “identities”, either personal or collective, are linked to emotions. If anything, they may recognize when and where influential speakers claiming to represent a social community try to construct an assumed collective identity. In surveys, social scientists artificially stimulate or even produce what they seek to observe (i.e. inquire into what people feel attached to in order to reconstruct their “identity”). In effect, they evoke answers resulting from spontaneous cognitive evaluations in an interview situation. Accordingly, identity only exists as a discourse, as deliberate explications.

Historians, by contrast, find their sources among the material traces of the everyday. This locus of past political and social conflicts, which historians seek to reconstruct, scarcely provides sources that reveal “identity”. Rather, the sources of everyday life capture speakers in their attempts to construct discursively what their peers ought to accept as their collective identity. They shed light on individuals claiming to express the alleged collective identity of the group they wish to represent. Therefore, when one person or several people exclaim “we are this and that”, it is not the whole social entity speaking or acting. Moreover, when a group of individuals joins together to establish a club devoted to the maintenance and propagation of local or regional characteristics in the public sphere, this is not necessarily a reflection of the entire local “identity”. A critical reading of sources prohibits the conflation of single, but potent speakers with a social entity as a whole. Historians better seek to identify the impactful agents of (attempted) identity-building throughout history.

The Invention of Landscapes from the Outside

Against this backdrop, I want to argue that “Identity” is a product of social positioning and of commercial processes. The one claiming the authority to define what characterizes a local, regional, or national “identity” demonstrates, or at least demands, a leading position in the social and political environment. In modern history, nationalist, regionalist and later right-wing politicians and movements have been particularly active in this field. Focusing on distinctive landscapes and places, their identity campaigns established notions of local, regional and national characteristics, with the local or regional often merging into the national.[4] In the German case, they utilized the concept of “Heimat” as a means to join homelands and native populations together at the expense of foreigners and strangers. The Heimatvereine of the Kaiserreich hypostatized an “organic linkage of Volkstum, landscape and nature” and idealized the German landscape characterized by its Landsmannschaften and their customs.[5] Today’s right-wing politicians draw upon these constructions, emphasizing the exclusive “identity” of a people encapsulated in a territory’s history, traditions and customs.[6]

One might conclude that political groups seek to construct exclusive “identities” by tapping into peoples’ sense of belonging to familiar physical surroundings, which emerged over the course of the modern era. Ironically, however, the creation of modern “landscapes” as a reservoir of belonging and a metaphor of beauty that enabled personal or collective allegiances, was inextricably linked with mobility, rather than with remaining in place.

The discovery of “landscapes” through cognitive rearrangement and reassessment of physical spaces into coherent and ostensibly unique entities (with a likewise unique people born there) depended on two factors: the panoramic and the comparative view. The ability to travel and compare was integral to the process of determining the distinctive features of a given landscape and specifying the characteristics of its “unique” beauty. Only wandering and travelled contemporaries could develop new perspectives that transformed physical spaces into “landscapes”. Often, foreign spectators were among the first to describe and appreciate the “unique” character of an emerging “landscape”.[7]

These processes of re-perspectivation first occurred at the end of the 18th century, in the wake of romanticism. They were followed by the popularization and commercial proliferation of “characteristic” landscapes in artistic form (i.e. the diorama) and even more through modern tourism. This new form of travel evolving around the 1830s was inseparable from the tourist guidebook, which made regions and places consumable, manageable – and distinguishable. Tourist guidebooks became European and American bestsellers, until the Great War interrupted the manifold regional and global tourist flows of the long 19th century. The German Baedeker would become the most famous brand of the genre. Its very first guidebook, published in 1835, popularized a freshly born German “Landschaft” as a metaphor of beauty: the Rheinland.

Tourism and Identity-Building

Tourist guidebooks and their publishers, such as Karl Baedeker, John Murray or Adolphe Joanne (who published the French Guides Joanne), were highly influential popularizers of “landscapes” and related customs, traditions, and mentalities. Since their development in the early 19th century in Western Europe, they gradually replaced the opulent travelogues and travel accounts penned by wandering scholars for the distinguished scholar at home. The new guides contained handy, compact and useful information for the new breed of modern tourists, who traveled with limited resources of time and money at their disposal. Widely discussed in the press and book markets from the 1840s onwards, the “tourist” or modern “traveler” attracted both sympathetic attention and harsh criticism. His critics took offense at the alleged superficiality with which he or she encountered the visited regions and places – at the heart of this criticism, in fact, lay the attitude that followed the new perspectivation of unique landscapes. In contrast to the virtuoso travel accounts published in the 18th century, the modern tourist and the burgeoning tourism industries seemed to reduce entire countries and regions to their most characteristic features.

As a result, tourism became a – if not the – driving force for landscape transformation, coinciding with processes of nation-building, technological modernization and commercialization. Museums, for instance, were not just founded under the banner of the educational aspirations of the local middle-classes, but also catered to incoming travelers against the backdrop of growing competition between neighboring cities or counties for foreign visitors.[8] Urban landscapes were visibly reshaped by touristic logics since the 1840s, even before rural landscapes became sites of middle-class and (in the UK) even working-class excursions and summer holidays in the second half of the 19th century.[9]

From Region to Nation

The early guidebooks promoted the best scenic lookouts, thereby laying the landscape at the feet of the tourists. Only subsequently, if at all, did residential peasants or artisans discover the qualities of their places of residence. Moreover, tourist guidebooks were the first sellers of local pasts to a wider audience. Narrating the histories of places and regions – their kings and queens, their wars and times of peace, and above all their art histories – guidebooks helped shape the notions of local or regional “identities”. In doing so, they also marketed the public history of places, defining what monuments to see, what museums to visit, what battlefields to step on. Guidebooks established what sights “ought to be seen”, thereby constructing what ought to become the distinct characteristics of a city, a county, or a landscape.

Interestingly, tourist guidebooks on European destinations seldom related to the national territory as a whole, but to regions and cities. Thus, on the one hand, tourism had the potential to hamper national identity-building in Europe. But on the other hand, it probably fostered the construction of national identities, as every single part of the growing touristic infrastructure of the 19th and early 20th century could be seen as pars pro toto for the entire nation-state, at least in the eyes of the foreign traveler.[10] It would thus be a consequence of international tourism that landscape identities – which have proven themselves to be influential until today – increasingly merged into national identities. Whoever is willing to study these transformations may do this online – Baedeker, Murray, and other guidebooks have been broadly digitized.

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Further Reading

  • Murdock, Caitlin E., “Tourist Landscapes and Regional Identities in Saxony, 1878-1938.” Central European History 40, no. 4 (2007): 589-621.
  • Lauterbach, Burkhart. “‘Als der Berg die Viktorianer rief‘: Alpentourismus im 19. Jahrhundert als Handlungsfeld kulturellen Transfers.“ Schweizerisches Archiv für Volkskunde 101 (2005): 49–66, http://dx.doi.org/10.5169/seals-118180 (last accessed 5 August 2020).
  • Mai, Andreas. “Touristische Räume im 19. Jahrhundert. Zur Entstehung und Ausbreitung von Sommerfrischen.“ Werkstatt Geschichte, no. 36 (2004): 7-23.

Web Resources

  • Gyr, Ueli. “The History of Tourism: Structures on the Path to Modernity.” European History Online (EGO), published by the Institute of European History (IEG), Mainz 2010-12-03, http://www.ieg-ego.eu/gyru-2010-en  URN: urn:nbn:de:0159-20100921246 (last accessed 7 March 2021).
  • travel!digital. Sammlung historischer Baedeker-Reiseführer, Austrian Centre for Digital Humanities and Cultural Heritage. https://traveldigital.acdh.oeaw.ac.at (last accessed 10 March 2021).
  • Karl Baedeker Verlag, Titelliste „Deutsche Ausgaben“ 1828-1944. http://karlbaedeker.com/VD%20Biblio%20%20(Bae-D).htm (last accessed 10 March 2021).

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[1] Derk Jan Stobbelaar and Bas Pedroli, “Perspectives on Landscape Identity: A Conceptual Challenge,” Landscape Research 36, no. 3 (2011): 321-339.
[2] Ibid., 323, 326-327.
[3] This is the highly constructivist variant of the three acceptations of “identity” in the Oxford Dictionary, the other two being much less controversial and closer to the original Latin identitas. See https://www.oxfordlearnersdictionaries.com/definition/english/identity?q=identity (last accessed 7 March 2021).
[4] For the interdependencies between local, regional and national self-images developing during the 19th century see Celia Applegate, A Nation of Provincials. The German Idea of Heimat (Berkeley: Berkeley University Press, 1990). Alon Confino, “The nation as a local metaphor: Heimat, national memory and the German Empire, 1871-1918,” History and Memory 5, no. 1 (1993): 42-88.
[5] Jens Jäger, „Heimat,“ Version: 1.0, Docupedia-Zeitgeschichte, 9.11.2017, http://docupedia.de/zg/Jaeger_heimat_v1_de_2017 (last accessed 8 March 2021).
[6] Sascha Nicke, “Der Begriff der Identität,” in https://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtspopulismus/241035/der-begriff-der-identitaet, 17.12.2018 (last accessed 8 March 2021). See also the extract from an interview with Alexander Gauland in Die Zeit, 14 April 2016, in Samuel Salzborn, Angriff der Antidemokraten. Die völkische Rebellion der Neuen Rechten (Weinheim: Beltz, 2017), 104.
[7] Susanne Müller, Die Welt des Baedeker. Eine Medienkulturgeschichte des Reiseführers 1830-1945 (Frankfurt, New York: Campus, 2012), 61-119.
[8] Louise Miskell, “Meeting places: the scientific congress and the host town in the south-west of England, 1836-1877,” Urban History 39, no. 2 (2012): 246-262.
[9] John K. Walton, “British Tourism Between Industrialization and Globalization. An Overview,” in The Making of Modern Tourism. The Cultural History of British Experience, 1600-2000, ed. Hartmut Berghoff et al. (Basingstoke: Palgrave Macmillan, 2002), 109-131. Andreas Mai, „Touristische Räume im 19. Jahrhundert. Zur Entstehung und Ausbreitung von Sommerfrischen,“ Werkstatt Geschichte, no. 36 (2004): 7-23.
[10] Rudy Koshar, “‘What ought to be seen’: Tourists‘ Guidebooks and National Identities in Modern Germany and Europe,” Journal of Contemporary History 33, no. 3 (1998): 323-340. Caitlin E. Murdock, “Tourist Landscapes and Regional Identities in Saxony, 1878-1938,” Central European History 40, no. 4 (2007): 589-621.

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Image Credits

Burg Stahleck und das Rheintal-Panorama © 2019 abbilder CC BY-2.0 via flickr.

Recommended Citation

Gatzka, Claudia: Baedeker and the Invention of Landscape Identity. In: Public History Weekly 9 (2021) 3, DOI: dx.doi.org/10.1515/phw-2021-17823.

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DOI: dx.doi.org/10.1515/phw-2021-17823

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  1. OPEN PEER REVIEW

    Landscape and Baedeker

    A landscape is an image of nature, culture and – most important – an idea [1]. All three items define the identity of a landscape. Its nature is characterized by geographical elements, its vegetation and geology. Its material culture is formed by man, settlement and land use. But summing up these elements one does not receive a landscape; it is more than this and was described as “Totaleindruck einer Gegend” (total impression of an area) by Alexander von Humboldt [2]: Humboldt wrote that a Swiss nature or an Italian sky is defined by a vague feeling for the character of nature containing the blue of the sky, the light, aroma, characters of animals, the size of the mountains. But this is not the nature in scientific geography, this is not the content of a guidebook such as a Baedeker.

    Another written source must be given before you take a Baedeker guide book to explore the landscape. In the case of Swiss landscape this is well documented. In 1699, Johann Jakob Scheuchzer published a collection of 189 questions which should be answered to characterize the “natural wonders” of Switzerland [3]. He asked e.g. several questions concerning the treatment of milk and milk products in the summer farms. And he was especially interested in the different ways of cheese-making. Several answers were given to the questions, e.g. by Scheuchzer himself. But more famous in the 18th century became the poem “Die Alpen” (the Alps, written 1729) by Albrecht von Haller [4]. This poem was highly influential to its readers including early tourists on their ways to Switzerland and inside the country. Haller mentioned ways of cheese-making, the life of Arcadian peasants and he also stressed that all people living in the Alps were equal and free. This was the predominant reason why Jean-Jacques Rousseau wrote about Switzerland [5], and Johann Wolfgang von Goethe was very happy to find nice peasant maidens and having the excellent cheese [6]. But he was not attracted by a book such as Baedeker. Baedeker became useful after having heard about “stories which made the audience curious”, Baedeker readers were all influenced by the idea of Switzerland before. Swiss landscape was than regarded as beautiful, which was not the case before. In earlier times Swiss landscape was regarded as being dangerous [7].

    In the 18th century the idea of Swiss landscape became also an article of exportation. When the Swiss painter Adrian Zingg came to Dresden in 1764 he explored the Elbe valley region and stated that it reminded him to a Swiss landscape. Since then the area was known as Sächsische Schweiz (Saxonian Switzerland). This had nothing to do with its real nature and culture, but only with the idea of a Swiss (or picturesque) landscape [8]. The first edition of the Baedeker presenting Switzerland was not published before 1844 [9], when the landscape identity of the country was certainly already defined, and lots of tourists from Germany and England came to Switzerland before including Goethe, but also e.g. William Turner [10].

    Many tourists visiting Switzerland certainly used the Baedeker after the middle of the 19th century. But travelling to Switzerland certainly became popular earlier. To attract people to a country it is necessary to have a more personal communication before reading the Baedeker, which is very useful but does not give an idea. This is important to note when talking to foreigners today. The Heimat can be regarded as a closed area which is exclusively reserved for “in-landers”, such as proposed by right-winged people. But it can also be chosen as the central ideal to integrate people. They should not only get information about nature and culture, but must know the stories which are told about an area. This enables them to find a real basis for communication with the natives of a country. They are able to find a second Heimat (or their home) there. It is not only necessary to be trained in the language; it is perhaps even more important to have personal and interesting information about the landscape so that foreigners get enthusiastic about it. It is not possible to receive only statistics and scientific dates to feel at home – also in a foreign country.

     

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    [1] Küster, Hansjörg, Die Entdeckung der Landschaft. Einführung in eine neue Wissenschaft. München 2012.
    [2] Humboldt, Alexander von, Ideen zu einer Physiognomik der Gewächse. Tübingen 1806, 11.
    [3] Scheuchzer, Johann Jakob, Einladungsbrief zu Erforschung natürlicher Wunderen, so sich im Schweizerland befinden. Zürich 1699.
    [4] Haller, Albrecht von, Die Alpen. In: Versuch Schweizerischer Gedichte. Bern 1732.
    [5] Rousseau, Jean-Jacques, Julie oder die neue Héloïse. Amsterdam 1761.
    [6] Goethe, Johann Wolfgang von, Tagebuch der Reise in die Schweiz, Juni 1775. In: Sämtliche Werke nach Epochen seines Schaffens. Münchner Ausgabe 2. München 1987.
    [7] Schmidt, Aurel, Die Alpen. Eine Schweizer Mentalitätsgeschichte. Frauenfeld 2011.
    [8] Götzinger, Wilhelm Lebrecht, Schandau und seine Umgebungen oder Beschreibung der sogenannten sächsischen Schweiz. Bautzen 1804.
    [9] Baedeker Schweiz. Koblenz 1844.
    [10] Wilton, Andrew, Turner abroad. London 1982.

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