Knights in Children’s Rooms. Public History and its Youngest Users

Ritter in Kinderzimmern. Public History und ihre jüngsten Nutzer

Abstract:
Children’s rooms? History teachers often know little or nothing about how their pupils encounter history or which historical cultural products they should actually use to engage their protégés. Even relevant top-sellers–such as the computer game Assassin’s Creed in the umpteenth version–are, if one inquires in teacher training courses, unknown places on the historical cultural map.
DOI: dx.doi.org/10.1515/phw-2016-5771
Languages: English, German

 

Children’s rooms? History teachers often know little or nothing about how their pupils encounter history or which historical cultural products they should actually use to engage their protégés. Even relevant top-sellers–such as the computer game Assassin’s Creed in the umpteenth version–are, if one inquires in teacher training courses, unknown places on the historical cultural map.

 

 

Private Use

However, far more traditional approaches, which students encounter in everyday life, also often go unnoticed. Nevertheless, these approaches leave traces that affect students’ ideas about the past. During a visit to a Catholic church in Austria in December 2015, where I had the opportunity to look at the pictures of the Passion of Christ hanging there, in which Roman soldiers were also shown, I became aware of the children. They were standing in front of a crib and admiring the wax figures of Roman soldiers placed in an “oriental…


Categories: 4 (2016) 10
DOI: dx.doi.org/10.1515/phw-2016-5771

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2 replies »

  1. Ich pflichte Christoph Kühberger bei, dass ein solcher ethnologischer Blick ins Kinderzimmer didaktisch sicherlich reizvoll wäre. Gerade der Markt für Kinder ist in Deutschland sehr vital, auch was Historisches angeht, und vom Angebot her kaum noch mit dem vergleichbar, was der Generation der heutigen Großeltern damals geboten wurde. Möglicherweise laufen diese Entwicklungen auch immer schneller, so dass man generell davon ausgehen darf, dass eine schulische Lehrkraft, sobald die eigenen Kinder die Schulzeit abgeschlossen haben, recht schnell den Kontakt zu kindlichen und jugendlichen Lebenswelten verliert und möglicherweise ganz unzutreffende Vorstellungen von diesen hegt. Lehrkräfte leben meist in gehobenen Bildungsschichten und haben oft aktuelle Kinderzimmer anderer Gesellschaftsgruppen allenfalls im Fernsehen schon von innen gesehen.

    Die methodischen Probleme einer solchen Erhebung liegen jedoch auf der Hand: Kühberger spricht selbst an, dass die Daten sowohl räumlich als auch sozial und zeitlich nur punktuell gültig sein könnten. Da die deutsche Gesellschaft zunehmend heterogen wird, wäre mit groben Durchschnittsdaten didaktisch nur wenig geholfen. Sie hätten eher gesellschafts- und kulturwissenschaftlichen Wert.
    Nun könnte man konstatieren, dass das Kinderzimmer in Zeiten der Ganztagsbetreuung auch nicht mehr den Stellenwert hat wie früher. Abgesehen davon ist es durchlässiger geworden. Heute lassen sich nicht mehr so leicht die Yakari-Kassetten oder Karl-May-Schallplatten zählen, heute werden Filme gestreamt, statt Brettspielen müsste man heute Onlinespiele berücksichtigen. Statt Plastikrömern haben wir heute also ab einem bestimmten Alter eher virtuelle Römer.

    Gleichwohl gibt es auch noch den physisch greifbaren Markt. Lego und Playmobil erfreuen sich nach wie vor einer großen Verbreitung, wobei allerdings auffällt, dass die historische Vielfalt bei Playmobil in den vergangenen Jahrzehnten erheblich geschrumpft ist. Cowboys und Indianer sind out. US-Kavallerie sowieso. Ausgebaut hingegen wurde lediglich die Serie zu Piraten. (Daraus mag jeder seine eigenen Schlüsse ziehen.) Zudem gibt es heute einen viel größeren Sachbuchmarkt für Kinder, der auch bereits für Kindergartenkinder historische Themen aufbereitet. Hier wäre vor allem die neue Tiptoi-Reihe zu erwähnen. Diese inhaltlich nicht anspruchslosen Bücher, die Ton und Bild vereinen, sind ein Medium, das nähere Betrachtung verdient hätte. Ansetzen könnte man generell in öffentlichen Bibliotheken und Ausleihzahlen, wobei ein bekanntes Phänomen darin besteht, dass die kleinen Leihbibliotheken auf dem Lande aussterben, von Bibliotheksbussen, die damals noch über die Dörfer fuhren, ganz zu schweigen.

    Seitens der KITA gibt es heute anfangs oft einen Familienbesuch, der unter anderem genau dem Zweck dient, den Kühberger anspricht: sich ein Bild von der Situation des Kindes zu machen. Wenn sich nun die Erhebung allgemeiner Daten für die Geschichtsdidaktik als so komplex erweisen würde, dass sie zum Zeitpunkt ihrer Auswertung bereits wieder veraltet wären, kann der Schuss nur lauten, dass sich auch schulische Lehrkräfte in regelmäßigen Abständen einen individuellen Eindruck vom häuslichen Umfeld ihrer Lerngruppe und der dortigen Bildungssituation machen müssten. Hier nun sehe ich aber ein pädagogisch-ethisches Problem: Das heranwachsende Kind muss auch das Recht auf einen privaten Rückzugsraum haben, in dem es einmal nicht beobachtet und analysiert wird.

    Aus meiner Sicht kann daher der richtige Weg darin bestehen, vermehrt Anreize zu freiwilligem Einbringen privater Spiel- und Leseerfahrungen in den Unterricht zu schaffen. Dies eröffnet der Schule zumindest Einblicke in die Geschichtskulturen, die für SchülerInnen relevant sind, und könnte zudem auch innerhalb der Lerngruppe die intrinsische Motivation steigern, indem die Interessen der Jugendlichen Wertschätzung erfahren und sich im günstigsten Fall sogar gegenseitig hinsichtlich der Freizeitgestaltung befruchten. Vielleicht sollte die Geschichtsdidaktik eher hier ansetzen, und sich weiter führende Gedanken über die methodische Umsetzung machen.

  2. Replik / Author’s Reply
    [For an English version, please, scroll down.]

    Kolonialisation der Kinderzimmer?

    In der Tat gibt es forschungsmethodische Herausforderungen, wenn es darum geht, ein bisher nicht profiliertes Feld der Geschichtskultur zu erschließen. Ich denke aber, dass die Forscher/innen es sich nicht zu einfach machen und immer nur jene Manifestationen der Geschichtskultur beforschen sollen, die einfach erreichbar sind (wie z. B. DVDs oder als Zeitschriften in einem Geschäft). Die erziehungswissenschaftlichen Untersuchungen zu Familienstrukturen im Privaten oder zu Kinderzimmer haben bereits ausreichend bewiesen, welches Potential zur Erforschung bisher unberücksichtigter Momente dort lagert. Dass ethnologische Methoden dabei immer mit Einschränkungen zu tun haben, ist jedoch kein Spezifikum dieses Zugangs. Auch seriell ausgewertete Daten neigen dazu, ihre Aktualität zu verlieren.

    Zur Geschichtskultur im Kinderzimmer wissen wir nahezu nichts, wenngleich sich das “Kinderzimmer“ heute ja in der ganzen Wohnung situiert und, wie dies Felix Hinz argumentiert, sich auch digital entgrenzt. Immer dann wenn derartige Lücken klaffen, sollte man durchaus erste konkrete Forschungen wagen, um Orientierungen zu gewinnen, die auf empirische Einsichten beruhen, die auch für die schulische Praxis relevant sind.

    Es war nicht mein Argument, dass alle Geschichtslehrer/innen Hausbesuche machen sollten. Da gilt es sicherlich jene motivationalen Aspekte im Bereich der Methodik auszubauen, auf die Kollege Hinz verweist, damit die geschichtskulturellen Produkte einen Platz im Unterricht bekommen und als Sozialisationsinstanzen des historischen Denkens ernst genommen werden, wie dies etwa ansatzweise der neue österreichische Lehrplan für die Sekundarstufe I macht[1]. In der schulischen Praxis geht es also um kritische Reflexion nicht um übergriffige Kolonialisierung der Kinderzimmer, selbst wenn man dabei auf römische Soldaten stoßen sollte.

    Fussnoten
    [1] Lehrplan für “Geschichte und Sozialkunde/ Politische Bildung” – http://www.politik-lernen.at/site/basiswissen/politischebildung/lehrplangskpb (letzter Aufruf vom 4.8.2016)

    —–

    Colonialization of the children’s rooms?

    Having an unexplored field of historical culture there are for sure challenges for research methodologies. However, I would argue that researchers should not only concentrate on doing research on ordinary products of history culture (e. g. films or magazines) which are easily accessible, but should also focus on neglected areas. Pedagogical studies on family structures in privacy or on children’s rooms have already demonstrated that these areas are worth being explored. In any research there are certain restrictions which are not particular for ethnological approaches, even other used serial data lose their timeliness.

    Observing today’s children’s rooms it can be reported that they are situated in the whole flat and – as Felix Hinz argues – digitally extended, but we hardly know anything about the historical culture of these spaces. If there are such gaps one should risk doing concrete research in order to get orientation based on empirical data, being relevant for history classes. It is not my argument that history teachers should make home visits. It is clearly more adequate to use motivational aspects of teaching methodologies – as Hinz refers to – in order to bring the historical cultural products from the children’s rooms into the class and to work on them seriously as instances of socialisation of historical thinking. The new Austrian curriculum for the lower secondary classes tries to do this to a certain extent[1]. The central point in the classroom should be a critical reflection but not a boorish colonialization of the children’s rooms, even if you meet Roman soldiers.

    References
    [1] Lehrplan für “Geschichte und Sozialkunde/ Politische Bildung” – http://www.politik-lernen.at/site/basiswissen/politischebildung/lehrplangskpb (Last accessed 4 August 2016).

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